Wirtschaft : Vodafone: Unternehmen erwartet schnell Gewinne mit UMTS

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Das war ganz nach dem Geschmack von Chris Gent. Der Vodafone-Chef konnte gestern in London mal wieder richtig auftrumpfen. "Wir glauben, dass wir in einer sehr guten Ausgangsposition für die nächsten zwei Jahre sind", erklärte der Manager, der im feinen Savoy-Hotel ohne Sakko, dafür aber im blau gestreiften Business-Hemd und mit seinen berühmten breiten Hosenträgern auftrat. Gent gab den Ton an. Schließlich hatte zuvor der größte Mobilfunkanbieter der Welt eine unerwartet gute Halbjahresbilanz präsentiert - allen kritischen Einschätzungen der Investmentbanker zum Trotz.

Der Gewinn vor Steuern in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres (das Ende März begann) verdoppelte sich bei Vodafone trotz eines starken Einbruchs bei den Gewinnmargen auf 1,82 Milliarden Pfund (drei Milliarden Euro). Der Umsatz legte um 32 Prozent auf 10,17 Millionen Pfund zu. Die Zahl der Kunden sei weltweit um 55 Prozent auf 65,5 Millionen gewachsen, verkündete Gent. Die Zahlen lagen über den Erwartungen der meisten Analysten. Er gehe davon aus, dass sich die rückläufigen Margen in Großbritannien und Deutschland in den kommenden Monaten wieder erholen werden, sagte Gent.

Dies beflügelte den Vodafone-Kurs in London. "Das ist ein Ergebnis, auf das die Aktie gewartet hat", sagte ein Händler in London, der einen Anstieg auf die Marke von 280 Pence in den kommenden Tagen nicht ausschließen wollte. Auch für Fanos Hira, Analyst bei Bear Stearns, haben sich mit den Zahlen die Bedenken gegen die Vodafone-Strategie deutlich verringert. Der Titel war in den vergangenen Wochen unter Druck geraten (minus 17 Prozent) und hatte sich Richtung Jahrestief von 234,5 Pence bewegt. Im März - auf dem Höhepunkt der Mannesmann-Schlacht - war die Vodafone-Aktie noch mit 400 Pence gehandelt worden.

Bei der Integration des übernommenen Mannesmann-Konzerns seien wesentliche Fortschritte erzielt worden, erklärte Vodafone. Den ebenfalls mit Mannesmann übernommenen deutschen Festnetzbetreiber Arcor will das Mobilfunkunternehmen Vodafone möglichst schnell an die Börse bringen. Gent erklärte gestern, man strebe diesen Schritt bis Ende März 2001 an. Mit den Miteigentümern Deutsche Bahn und Deutsche Bank gebe es eine grundsätzliche Übereinkunft. Gent schloss aber erneut auch einen Verkauf von Arcor nicht aus. Wenn jemand komme, und einen guten Preis biete, sei dies sicher besser für die Aktionäre und die Mitarbeiter, erklärte der Vodafone-Chef.

Der Verkauf der Industriesparte Atecs oder der italienischen Festnetzgesellschaft Infostrada werde voraussichtlich insgesamt 35 Milliarden Pfund einbringen, teilte Vodafone mit. Trotz der Mannesmann-Einnahmequelle verdoppelte sich die Schuldenlast von Vodafone aber bis Ende September - vor allem durch die Ersteigerung von UMTS-Lizenzen in Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden - auf 13,2 Milliarden Pfund, das entspricht rund 8,5 Prozent des Vodafone-Firmenwertes.

Wie bei allen Mobilfunkanbietern hat sich auch für Vodafone die Jagd nach Neukunden zur teuren Angelegenheit entwickelt. Die Kosten für Lockangebote drückten bei Vodafone in den ersten sechs Monaten zumindest kräftig die Gewinnmargen. Die Spanne sank in Großbritannien um drei auf 30 Prozent, bei der deutschen Tochter D2 sogar um ein Drittel auf 30 Prozent. Gent zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Gewinnspannen bald wieder auf 35 Prozent in Deutschland und 33 Prozent in Großbritannien steigen werden. "Wir erwarten eine Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte nach dem sehr guten ersten Halbjahr", sagte er.

Nicht alle Analysten sehen den Markt jedoch so rosig. "Wir erwarten, dass die Einführung von Diensten der dritten Generation für Vodafone extra Kosten mit sich bringen wird", heißt es etwa bei Credit Suisse First Boston. Das werde die Gewinnsteigerungen auf kurze Sicht dämpfen. Vodafone rechnet damit, in den kommenden vier Jahren zehn Milliarden Pfund in den Aufbau der UMTS-Netze stecken zu müssen. Trotz dieser immensen UMTS-Kosten erwartet Vodafone mit der dritten Mobilfunkgeneration ein profitables Geschäft. Bereits in vier bis sieben Jahren werde sich das UMTS-Investment auszahlen, sagte Gent. Bislang hatten Experten erst in 20 Jahren das Erreichen der Gewinnzone vorausgesagt. Gent begründete seine Einschätzung damit, dass die neue Handygeneration erneut einen Boom auslösen werde.

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