Wirtschaft : Vodafone: Vor einem Jahr begann das Übernahmegefecht

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"Wir sind alle Sieger", sagte Vodafone-Chef Chris Gent. Dem weltgrößten Mobilfunkkonzern war die erste feindliche Übernahme in der deutschen Industriegeschichte gelungen. Die Mannesmann-Aktionäre hatten Vodafones Übernahmeangebot angenommen - das Angebot, gegen das der damalige Mannesmann-Chef Klaus Esser so erbittert gekämpft hatte. Vor genau einem Jahr begann der spektakuläre Übernahme-Krimi. Er endete mit der bisher teuersten Firmenübernahme weltweit. Im Verlauf des Abwehrgefechts hatte sich der Wert der Vodafone-Offerte auf fast 400 Milliarden Mark erhöht. Doch als Sieger betrachten sich heute nicht alle Beteiligten.

Vorstand und Aufsichtsrat lehnten das Angebot ab. Esser beharrte darauf, dass sein Konzern mehr wert sei, auch nachdem Vodafone das ursprüngliche Angebot noch einmal aufstockte. Die Arbeitnehmer befürchteten eine Zerschlagung des Konzerns. Drei Monate dauerte das Gefecht, dann musste sich der ehemalige Röhren- und Maschinenbaukonzern geschlagen geben. Mannesmann konnte die Aktionäre mit der Strategie eines integrierten Telekommunikationsangebots aus Festnetz, Datenkommunikation und Mobilfunk nicht überzeugen, auch nicht davon, dass Mannesmann allein besser vorankommen würde. Gent konnte die Aktionäre mit der Aussicht locken, Anteilseigner am weltgrößten Mobilfunkkonzern zu werden - gestärkt in seiner Führungsposition durch die Integration von Mannesmann.

Doch es ging bei der Auseinandersetzung um die Gunst der Aktionäre nicht nur um unterschiedliche Strategien. Es war auch ein Wettstreit der Deutschland AG gegen einen frechen Herausforderer aus dem Ausland und der Kampf eines Traditionskonzerns gegen das Prinzip des Shareholder Values. Ohne Beispiel war die Werbeschlacht, die die Unternehmen mehr als eine Milliarde Mark gekostet haben dürfte.

Keine Frage, dass Gent aus dem Gefecht als Sieger hervorging. Esser hat seinen Posten verloren, dafür eine Abfindung von 60 Millionen Mark gewonnen. Der Traditionskonzern Mannesmann existiert nicht mehr: Die Industriesparte Atecs, das Röhrengeschäft und die Luxusuhren sind verkauft. Nun soll auch Arcor an die Börse gebracht werden.

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