Wirtschaft : Volks- und Raiffeisenbanken: Kunden spüren Rezession

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Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken sehen zwar die konjunkturelle Lage - gerade was ihre Klientel angeht - keineswegs rosig, rechnen aber dennoch mit einer rückläufigen Risikovorsorge bei den genossenschaftlichen Instituten insgesamt. Der Präsident der Bundesverbandes der DeutschenVolks- und Raiffeisenbanken (BVR), Christopher Pleister, erklärte am Montag bei der Vorlage des Geschäftsberichts 2000 zur Begründung, dass Sonderfaktoren an Gewicht verloren hätten. Die Risikolage in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre sei durch steuerinduzierte Bauherrenmodelle geprägt gewesen, das Problem Berliner Volksbank sei nun weitgehend verdaut.

Gegenwärtig werden 40 bis 50 der insgesamt 1738 Mitgliedsinstitute von der Sicherungseinrichtung des BVR "betreut". Im Jahr kommen 20 bis 25 Fälle neu hinzu. Durch die Neufassung des Statuts für den Sicherungsfonds werde die Prävention gestärkt, bis zum kommenden Frühjahr sollen die Mitgliedsinstitute nach ihrem Risikogehalt klassifiziert sein, im kommenden Jahr soll es ferner erstmals eine differenzentierte Prämienzahlung in den Fonds geben.

Die rückläufige Risikovorsorge ermöglicht es den Volks- und Raiffeisenbanken ihr Betriebsergebnis nach Bewertung im Durchschnitt bei etwa 0,62 Prozent der Bilanzsumme zu halten. Die Bilanzsumme der BVR-Mitgliedsinstitute soll im laufenden Jahr um insgesamt etwa 1,6 Prozent steigen. Ende Juni erreichte sie 1,041 Billionen Mark. Negativ zu Buche schlug der stark rückläufige Provisionsüberschuss, der im Schnitt um zehn Prozent auf 0,61 Prozent der Bilanzsumme zurückging.

Die Kunden, in erster Linie der gewerbliche Mittelstand auf dem Land, das Handwerk und die freien Berufe, befinden sich, so Pleister, derzeit aber eher in der Rezession. Ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von einem Prozent komme bei ihnen nicht an. Der BVR-Präsident sprach sich zwar gegen Aktivismus in der Geld- oder Fiskalpolitik aus, forderte aber, dass die Arbeitslosenhilfe nur noch zwölf Monate gezahlt werdeund dann, zusammen mit der Sozialhilfe gelegt, die Grundlage für einen Kombilohn bilden solle. Die schwierige wirtschaftliche Entwicklung wirkt sich auch auf die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken aus. In sechs bis sieben Jahren soll es nur noch 800 bis 1000 eigenständige Institute geben. Besonders in den neuen Ländern müsse man nicht zuletzt wegen der Abwanderung der Bevölkerung neu über Marktgebiete und damit über Fusionen nachdenken.

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