Wirtschaft : Volksbank verfehlt ihre Ziele

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Die Berliner Volksbank wird im laufenden Jahr ihre selbstgesteckten Ziele nicht erreichen. Das operative Teilbetriebsergebnis werde nur bei knapp 40 Millionen Mark (20,45 Millionen Euro) liegen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaftsbank, Karl Kauermann, am Montagabend vor der Presse. Im Vorjahr hatte es noch bei knapp 50 Millionen Mark gelegen. Zum Jahresanfang 2001 hatte Kauermann zunächst 98 Millionen Mark als Ziel angepeilt, diese Erwartung aber bereits im Juni auf rund 50 Millionen Mark reduziert. Keine Aussage machte Kauermann zu der Dividende für die Genossenschaftsmitglieder. Die Bruttodividene für das Jahr 2000 war von 3,5 auf fünf Prozent erhöht worden. Ob das angestrebte Ziel, einen "kapitalmarktüblichen Satz" zu zahlen, erreicht wird, bleibt zweifelhaft.

Der Vorstandsvorsitzende nannte zwei Ursachen für diesen heftigen Ergebnisrückgang. Zum einen sei das Bilanzvolumen der Bank um rund eine Milliarde Mark gesenkt worden, was den Zinsüberschuss von 462 Millionen Mark auf 452 Millionen Mark gedrückt habe. Hintergrund sind die Probleme mit der Grundkreditbank, die mit der Berliner Volksbank fusionierte. Ursprünglich hatte Kauermann geplant, große Teile des Immobilienbereichs an einen institutionellen Investor zu verkaufen. Im äußersten Fall hätte die Volksbank nur noch 25,1 Prozent an der Grundkreditbank gehalten. Nachdem sich dies aber zerschlagen hat, wurde das Immobiliengeschäft zurückgefahren.

Den zweiten Dämpfer lieferte das Provisionergebnis, dass um 30 Millionen Mark auf 116 Millionen Mark zurückging. Grund ist die schlechte Entwicklung an den Börsen und die damit verbundene Zurückhaltung der Kunden bei Wertpapiergeschäften. Einen Teil dieser Rückgänge konnte die Volksbank durch Einsparungen auffangen. So gelang es, rund 30 Millionen Mark einzusparen. Auch die Risikovorsorge wird, wie bereits im Sommer angekündigt, von 120 Millionen Mark auf weniger als 100 Millionen Mark zurückgehen.

Doch das Sparen geht weiter. Angekündigt ist ein Personalabbau um 200 Personen vornehmlich im Stabsbereich, in dem derzeit rund 880 Mitarbeiter beschäftigt sind. Zwar gibt es eine Betriebsvereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahresende 2002 ausschließt, doch hofft Kauermann, die Einzelheiten des Abbaues in drei bis vier Monaten geregelt zu bekommnen. Er versicherte jedoch zugleich, "wir halten uns an die Vereinbarung und suchen nach einvernehmlichen Lösungen". Am heutigen Mittwoch soll unter anderem aus diesem Anlass eine Betriebsversammlung bei der Berliner Volksbank stattfinden. Abgefedert werden soll der Personalabbau beispielsweise durch die natürliche Fluktuation, die derzeit etwas über sechs Prozent liegt und Stellenangebote innerhalb des Konzerns. Im Vertriebsbereich ließen sich derzeit rund 50 Stellen besetzen, so Kauermann, der allerdings auch nicht ausschließen wollte, dass es rund 40 "Sozialfälle" geben könnte.

In Kürze will man sich im Vorstand der Beliner Volksbank auch mit der mittelfristigen Planung beschäftigen. Kauermann kündigte an, dass das Institut erst im Jahr 2004 wieder ohne Hilfen auskommen werde. Seit 1998 hat die Berliner Volksbank vom Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken rund 500 Millionen Barzuschüsse und rund 1,7 Milliarden Mark an Bürgschaften erhalten.

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