Wirtschaft : Volksbanken rechnen mit härterem Wettbewerb

Genossenschaftsinstitute wollen Marktanteil auf 30 Prozent steigern

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Berlin (mot). Die Volks und Raiffeisenbanken erwarten eine deutliche Verschärfung des Wettbewerbs auf dem deutschen Bankenmarkt. Das konjunkturelle Umfeld bleibe dabei 2004 für das Bankgeschäft insgesamt „bedrohlich“, die Zahl der Firmenpleiten werde auf 41000 steigen, wie der Bundesverband der Genossenschaftsbanken BVR am Dienstag in Berlin erklärte. An einem Stellenabbau und der Schließung von Filialen kommen die Volks- und Raiffeisenbanken deshalb nicht vorbei.

Die Neuordnung vor allem des Großbanken- und Sparkassensektors, an der sich die Genossen – etwa mit Fusionen – nicht beteiligen wollen, verstehen die Institute aber als Chance, um ihren eigenen Marktanteil in den Regionen von knapp 23 auf 30 Prozent steigern zu können. Dem Trend zu Großbanken würden die Volks- und Raiffeisenbanken nicht folgen, sagte Verbands-Präsident Christopher Pleister. „Unsere Antwort auf die Umwälzungen im deutschen Bankenmarkt ist die Organisation in einem effizienten Netzwerk.“ Pleisters Angaben zufolge haben die Sparkassen derzeit einen Marktanteil von knapp 38 Prozent, die Geschäftsbanken kommen auf 40 Prozent.

Ende Dezember 2003 gab es 1392 Volks- und Raiffeisenbanken (97 Fusionen) mit insgesamt 13573 Zweigstellen (minus 804), in denen rund 170000 Mitarbeiter beschäftigt wurden. Um die Kosten zu senken, werde der bisher konstant gehaltene Personalstand künftig reduziert. Dies werde aber „sehr zögerlich“ geschehen, wie Pleister versicherte. Mittelfristig strebt der Verband einen Rückgang der Volks- und Raiffeisenbanken auf 800 bis 1000 in drei bis vier Jahren an.

Weniger Wertberichtigungen

Dank steigender Aktienkurse und gesunkener Wertberichtigungen haben die Genossenschaftsbanken ihren Gewinn im vergangenen Jahr leicht gesteigert. Der Gewinn vor Steuern habe sich von 2,4 auf insgesamt 2,5 Milliarden Euro erhöht, teilte der Verband mit. Die addierte Bilanzsumme der Institute stieg um 1,1 Prozent auf 566 Milliarden Euro. Zusammen mit der DZ Bank, der WGZ-Bank, Hypothekenbanken und der Bausparkasse Schwäbisch Hall betrug die Bilanzsumme des Finanzverbundes knapp 909 Milliarden Euro.

Nach Angaben von BVR-Vorstandsmitglied Jochen Lehnhoff ist die Sanierung und Prävention von Schieflagen im Verband effizienter geworden. Die Sicherungseinrichtung des Verbandes, die die Liquidität und Zahlungsfähigkeit angeschlagener Mitgliedsbanken garantiert, sei eine „schlagkräftige Einheit“, die einen immensen „Aufwand an Sanierungsmaßnahmen“ bewältige. „Das vor zwei Jahren eingeführte Klassifizierungsverfahren hat sich dabei bewährt“, sagte Lehnhoff. Das Verfahren sieht vor, dass die genossenschaftlichen Banken dem internationalen Standard folgend anhand von Kennzahlen zur Vermögens-, Ertrags- und Risikolage einer von acht Bonitätsklassen zugeordnet werden. „Nur zehn Prozent der Banken werden in der schlechtesten Klasse geführt.“ Die Sicherungseinrichtung besteht aus einem Garantiefonds und einem Garantieverbund. Sie wird durch Beitragszahlungen der Genossenschaftsinstitute gespeist.

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