Wirtschaft : Volksbanken suchen ihr Heil in der Größe

BONN (cor/HB).Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) will seine Organisation straffen und dabei unter anderem sein Filialnetz reduzieren.Zugleich soll das Risiko-Management verbessert und die Produktpolitik einheitlicher ausgerichtet werden.Das geht aus einem Strategiepapier des Verbandes hervor, das nun in Bonn veröffentlicht wurde.

Der BVR plane, die Zahl der heute rund 2000 Volks- und Raiffeisenbanken durch Fusionen auf etwa 800 zu verringern.Das Filialnetz solle von derzeit rund 17 000 auf etwa 10 000 verschlankt werden, sagte BVR-Präsident Wolfgang Grüger.Trotzdem soll die dezentrale Struktur der genossenschaftlichen Bankengruppe aufrechterhalten werden: "Es findet kein Rückzug aus der Fläche statt", betonte er ausdrücklich.Die selbständigen Institute vor Ort bildeten bewußt einen Gegenpol zu den global agierenden Großkonzernen der Kreditwirtschaft.

Die Straffung sei dennoch notwendig, da man sich interne Konkurrenz durch mehrere Hauptstellen auf einem lokalen Markt nicht mehr leisten könne, sagt Grüger.Es gelte das Prinzip "Ein Markt - eine Bank".Er hält gewisse Mindestbetriebsgrößen für erforderlich, um ein kostengünstiges Universalbankangebot aufrechterhalten zu können.Im Zuge dieser Anpassungen schließt er auch einen Personalabbau besonders bei Beschäftigten mit niedrigeren Qualifikationen nicht aus.

Koordinierter soll nach Empfehlung des Strategiepapiers auch die Einführung neuer Bankenprodukte vor sich gehen.Der BVR will nach Angaben von Grüger ein sogenanntes Kompetenzzentrum einrichten.Dieses bündelt die Vorschläge und entwirft gegebenenfalls einen gemeinsamen Werbefeldzug für Standardprodukte.Künftig werde es zum Beispiel für das Finanzangebot im Internet- und Telefonbanking einheitliche Mindeststandards geben.Vermeiden möchte der BVR damit kostenintensive Parallelentwicklungen.Außerdem sei das Auftreten der Genossenschaftsbanken dann einheitlicher.Die Konditionenhoheit der Regionen werde aber nicht angetastet, nach wie vor bekäme ein Kunde zum Beispiel in Hamburg andere Kreditkonditionen als in München, stellte Grüger klar.

Insgesamt nicht zufrieden ist Grüger mit dem Risiko-Management der Genossenschaftsbanken.Ein großer Teil der Erträge gehe durch Management-Fehler in der Gruppe verloren, klagte Grüger.Da die Volks- und Raiffeisenbanken stark mittelstandsorientiert arbeiten, mußte die Sicherungseinrichtung des BVR besonders in den vergangenen zwei Jahren stark in Anspruch genommen werden.Um den Banken neben diesem Institutsschutz ein geeignetes Instrument zur Früherkennung und Steuerung von Kreditrisiken an die Hand zu geben, will der BVR im kommenden Monat eine Risikomanagement-Gesellschaft für die gesamte Bankengruppe gründen, sagte Grüger.

Obwohl sich die Finanzdienstleister zunehmend konzentrierten, plant der BVR keine Fusionen mit anderen Wettbewerbern.Mit über 30 Millionen Kunden und einer Bilanzsumme von mehr als 1,5 Billionen DM seien die Volks- und Raiffeisenbanken ausreichend präsent im Markt.Außerdem verfüge der BVR mit über 14 Millionen Mitgliedern über den breitesten Anteilsbesitz der Welt.Durchaus denkbar seien aber Kooperationen mit anderen europäischen Genossenschaftsbanken.Gespräche würden mit der französischen Crédit Agricole und der niederländischen Rabobank geführt.

Am 13.Oktober soll das Papier der Mitgliederversammlung vorgelegt und dort beschlossen werden.

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