Wirtschaft : Volksbanken wollen Fusionen verstärken

FRANKFURT (MAIN) (ro).Wenn die Volks- und Raiffeisenbanken, ihre regionalen Zentralbanken und die DG Bank als Spitzeninstitut auf Dauer gemeinsam als Bankengruppe überleben wollen, muß die ohnehin in Gang gekommene Fusionswelle mit erhöhtem Tempo weitergehen.Davon jedenfalls ist DG Bank-Vorstandschef Bernd Thiemann überzeugt."Wir müssen den Prozeß sinnvoller Zusammenschlüsse auf der Primärebene beschleunigen", teilte er am Dienstag anläßlich der Bekanntgabe der Jahresergebnisse der Bank mit.Schulterschlüsse, so Thiemann, dürfe es nicht erst dann geben, wenn angehäufte Risiken das Überleben einer einzelnen Volksbank unmöglich machten, sondern dann, wenn ein Zusammenschluß die jeweiligen Institute in ihrem Markt durch Kostenentlastung noch stärke.

Thiemann sieht an 600 Stellen in Deutschland Überschneidungen zwischen den derzeit rund 2400 Volks- und Raiffeisenbanken.Auch auf der Ebene der Zentralbanken plädiert der DG Bank-Chef für eine engere Kooperation und schlankere Strukturen.Als erster Schritt gilt die gemeinsam von der DG Bank und den drei regionalen Zentralbanken, der Genossenschaftlichen Zentralbank (GZB) in Stuttgart, der Südwestdeutschen Genossenschafts-Zentralbank (SGZ) in Frankfurt und der Westdeutschen Genossenschafts-Zentralbank (WGZ) in Düsseldorf, gegründete bws bank für Dienstleistungen im Wertpapiergeschäft.In einer gemeinsamen Firma für die Vermögensverwaltung sieht Thiemann einen weiteren sinnvollen Schritt.Eine positive Erkenntnis hat der Banker 1998 auf jeden Fall gewonnen: "Die Fusionsbereitschaft im genossenschaftlichen Bankensektor war noch nie so hoch." Der Satz "Ein Markt - eine Bank" sei in der Organisation inzwischen zum Allgemeingut geworden.Jetzt müsse er umgesetzt werden.

Der DG Bank-Chef pocht mit diesen Feststellungen weiter auf eine Stärkung des genossenschaftlichen Bankenverbundes.Mit einem durchschnittlichen Geschäftsvolumen von 412 Mill.DM Mitte vergangenen Jahres sind die Volks- und Raiffeisenbanken nach Angaben von Thiemann statistisch gesehen die kleinsten Banken Deutschlands.Ihre Verwaltungsaufwendungen lägen aber mit knapp 2,4 Prozent des Geschäftsvolumens deutlich über denen aller Universalbanken."Auch dem talentiertesten Läufer geht irgendwann einmal die Puste aus, wenn er zuviel Gewicht mit sich herumschleppen muß", warnt Thiemann.In Zeiten sinkender Zinsmargen und steigender Ansprüche der Kunden würden sich die Volks- und Raiffeisenbanken ohne einschneidende Verbesserungen im Wettbewerb mit den Sparkassen und den privaten Geschäftsbanken kaum behaupten können.Konkurrenz im Verbund dürfe es nicht mehr geben.Gerade jetzt gelte es, so Thiemann, den noch zweistelligen Marktanteil der Volksbanken und die im Vergleich zu den Sparkassen bessere Position gegenüber dem Mittelstand zu nutzen.

Die DG Bank, die Anfang der 90er Jahre in eine schwere Krise geschlittert war und nur Dank milliardenschwerer Hilfe durch die Volks- und Raiffeisenbanken wieder auf die Beine kam, sieht Thiemann mittlerweile als stabile Größe im Verbund.Das Betriebsergebnis nach Risikovorsorge konnte die Bank 1998 um rund neun Prozent oder 96 Mill.DM auf 1,16 Mrd.DM steigern.Damit habe man die ehrgeizigen Ziele zum Teil sogar übertroffen, betonte Thiemann.Wichtigste Ertragsquelle war der Zinsüberschuß, der um drei Prozent auf 3,45 Mrd.DM kletterte.Der Provisionsüberschuß erhöhte sich sogar um 17 Prozent auf 482 Mill.DM.Dafür war unter anderem auch verantwortlich, daß die DG Bank zahlreiche junge, wachstumsstarke Unternehmen an den Neuen Markt der Frankfurter Börse begleitete.Die DG Bank hat mittlerweile in diesem Bereich eine führende Stellung, was zugleich auch ihre Position im Geschäft mit mittelständischen Unternehmen stärkt.

Auch im Eigenhandel mit Wertpapieren und Devisen konnte das Geldhaus 1998 deutlich zulegen und den Ertrag um 57 Prozent auf 271 Mill.DM steigern.Das Gesamtergebnis entwickelte sich im übrigen auch deshalb so positiv, weil die DG Bank nach Angaben von Thiemann von den Problemen in Asien, Rußland und in Lateinamerika im vergangenen Jahr "nur wenig betroffen war".Auch bei den hochspekulativen Hedge Funds sei man nicht engagiert gewesen.Die Dividende für die Aktionäre - die regionalen Zentralbanken, die Volks- und Raiffeisenbanken und die genossenschaftlichen Bankenverbände - soll von 2,75 auf 4,0 Prozent steigen.

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