Wirtschaft : Volksbanken wollen mit Filialen präsent bleiben Kreditvolumen erreicht

339 Milliarden Euro

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Berlin (dr). Bei den Volks- und Raiffeisenbanken ist ein Kreditvolumen von rund zwei Milliarden Euro durch die Flut in den Neuen Ländern betroffen. Dies sagte der Präsident der Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbank (BVR), Christopher Pleister, am Mittwoch auf dem Verbandstag in Berlin. Enttäuscht zeigte sich Pleister, über die Haltung der Deutschen Ausgleichsbank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die beiden bundeseigenen Institute wollen Zinszahlungen nicht aussetzen. Pleister forderte die Bundesregierung auf, auf die beiden Förderbanken einzuwirken. Auch liege die von der Regierung versprochene 80-prozentige Haftungsfreistellung der Banken im Hochwasserprogramm der KfW bisher noch nicht vor.

Mehr Genossenschaftsmitglieder

Die Attraktivität der Genossenschaftsbanken hat im vergangenen Jahr nochmals deutlich zugenommen. Ende 2001 erreichte die Zahl der Mitglieder bei den Volks- und Raiffeisenbanken 15,2 Millionen, berichtete Pleister. Das sind knapp 115000 Personen mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig nahm allerdings die Zahl der Institute erneut ab. Zum 30. Juni 2002 gab es noch 1571 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland. Ein Jahr zuvor waren es 1738 Institute. Zum Jahresende rechne er noch mit etwa 1500 Instituten, sagte Pleister. Auch die Zahl der Zweigstellen reduzierte sich. Insgesamt unterhielten die Kreditgenossenschaften 15086 Zweigstellen – das waren 610 weniger als im Vorjahr. „Das bedeutet jedoch keinen Rückzug aus der Fläche“, sagte Pleister. Im Sinne des strategischen Ziels „ein Markt – eine Bank“ würden hier lediglich Doppelpräsenzen in den jeweiligen Marktgebieten beseitigt.

Beim durchschnittlichen Betriebsergebnis „seiner“ Banken sieht Pleister Besserungstendenzen. Die Zinsspanne werde sich voraussichtlich deutlich auf durchschnittlich 2,5 Prozent verbessern. Der Verwaltungsaufwand sei – im Durchschnitt – rückläufig. Das Teilbetriebsergebnis, so Pleister, werde voraussichtlich um 0,1 Prozentpunkte auf 0,74 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme steigen. Das Verhältnis von Kosten zu Erträgen, die so genannte Cost-Income-Ratio dürfte sich von 79 Prozent auf 76 Prozent verbessern. Das gesamte Kreditvolumen der Volksbanken und Raiffeisenbanken erreichte Ende Juni 2002 rund 339 Milliarden Euro. Insbesondere bei den langfristigen Ausleihungen gab es im zweiten Quartal 2002 deutliche Zuwächse. Pleister erklärte dies vor den Delegierten mit den derzeit sehr günstigen Kreditkonditionen.

Gegen Zinssenkung

Pleister sprach sich gegen eine Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) aus. Ein langfristiger Kapitalmarktzins von rund 4,5 Prozent im Euroraum signalisiere, dass die Investitionsschwäche nicht durch zu hohe Finanzierungskosten verursacht sei. Vorrangiges Ziel der EZB müsse die Preisstabilität sein, so Pleister weiter. Die Inflationsrate aber werde in den letzten drei Monaten des Jahres um die Zwei-Prozent-Marke schwanken, im Jahresdurchschnitt sogar – zum dritten Mal in Folge – leicht darüber liegen. Nur wenn sich die Konjunkturaussichten nochmals spürbar eintrüben sollten, wäre die geldpolitische Lage erneut zu überdenken.

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