Wirtschaft : Volksentscheid – Vogelentscheid

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In Dashiell Hammetts Krimiklassiker „Der Malteserfalke“ beschwört ein Vogel aus Malta eine Folge von Katastrophen herauf. Seit neuestem ist es jedoch ein weit bescheideneres Exemplar der gefiederten Spezies, das der EU auf dem kleinen mediterranen Inselstaat Probleme schafft – der Fink. Malta ist eines der zehn Länder, die beim Kopenhagener Gipfel im Dezember formell eingeladen wurden, der EU beizutreten. Am achten März wird es als erstes Beitrittsland ein Referendum darüber abhalten. Der Ausgang ist dabei keineswegs sicher, denn es gibt Vorbehalte. Einer davon ist der Vogelfang.

Zur Diskussion stehen die EUUmweltrichtlinien, denen die zukünftigen Mitglieder zustimmen mussten. In dem breiten Themensortiment, das von Trinkwasserbestimmungen bis Asbest alles umfasst, ist auch der Tierschutz enthalten. Dessen Bestimmungen würde Malteser Jägern den Fang von sieben zwischen Afrika und Europa wandernden Finkenarten, die als Singvögel verkauft werden, verbieten. Genauso würde den Letten der Abschuss von Luchsen und den Estländern der Fang kleiner Heringe, die als Delikatesse gelten, untersagt.

„Würden“ sagen wir, denn während der langwierigen Verhandlungen in Kopenhagen lenkte die EU – sehr zum Verdruss europäischer Umweltschützer – ein, und gab einer begrenzten Jagd auf diese Arten statt, bis der Beitrittsprozess abgeschlossen sei. Dies sehr zur Freude des 14 000 Stimmen starken Malteser Pro-Vogelfang Wählerblocks. Aber die geschlossene Zustimmung selbst dieser Wähler ist noch nicht garantiert. Im Endspurt auf die Abstimmung wird eine äußerst knappe Entscheidung erwartet.

Natürlich gibt es bedeutendere Themen, mit denen sich die 380 000 Malteser bei der Beitrittsentscheidung auseinandersetzen müssen, als den Vogelfang. Der Euro, die Fischereipolitik und die Zukunft der wirtschaftlichen Verbindungen Maltas mit Lybien sind die wichtigsten Themen. Selbstverständlich maßen wir uns nicht an, Malta oder irgend einem anderen Beitrittsland vorzuschreiben, wie sie sich in dieser wichtigen Entscheidung verhalten sollten. Aber es sollte nicht überraschen, wenn einige Leute über eine Mitgliedschaft in einer Organisation, deren langer bürokratischer Arm sogar kleine Vogelfänger erreicht, besorgt sind.

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