Wirtschaft : Volksfürsorge mit mehr Neugeschäft

Die Unsicherheit um die Besteuerung von Lebensversicherungen hat der Hamburger Volksfürsorge im vergangenen Jahr ein Rekordgeschäft beschert. "Die Bürger haben verstanden, dass nur Eigeninitiative hilft, den Lebensstandard im Alter zu sichern", sagte Joachim Lemppenau, der Vorstandsvorsitzende der Volksfürsorge Holding AG (Vofü), am Donnerstag in Hamburg. Das sei der positive Aspekt der Steuerdiskussion. Die Bundesregierung hatte im Rahmen ihrer Steuerpläne zunächst vorgesehen, die Erträge aus Lebensversicherungen in bestimmten Grenzen der Steuer zu unterwerfen, sofern sie nicht vor einem bestimmten Stichtag abgeschlossen wurden. Dieser Plan war im Vermittlungsausschuss gescheitert.

Die Vofü konnte in der Lebensversicherung Verträge mit einem laufenden Jahresbeitrag von 314 Millionen Mark verkaufen, knapp 37 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Stückzahl der Verträge kletterte um mehr als 19 Prozent auf 233 000. Das sei die höchste Vertriebsleistung seit mehr als zehn Jahren. "Der Steueraspekt ist bei unseren Kunden aber nicht allein ausschlaggebend", sagte Lemppenau. "Wir haben uns in der Kundenwerbung auf sachliche Informationen beschränkt und keinesfalls marktschreierisch geworben", begründete der Vorstandsvorsitzende das Wachstum.

Maßgeblich sei die Steigerung des Neugeschäfts auf die neue Vertriebsstruktur der Vofü-Gruppe zurückzuführen. Die Vofü hat 1999 ihren Außendienst um zwölf Prozent auf 3400 feste Mitarbeiter verstärkt und gleichzeitig den Innendienst auf 2900 Beschäftigte zurückgeführt. Damit beseitigte die einstmals gewerkschaftseigene Versicherungsgruppe letzte Überreste aus der Zeit der Gemeinwirtschaft und passte sich den Strukturen der Branche an. "Das war eine Reparatur an der fahrenden Lokomotive, aber wir konnten sehr schnell wieder Fahrt aufnehmen", sagte Lemppenau. Die Vofü gehört mittlerweile über die AMB-Gruppe zur italienischen Generali.

Insgesamt zeigte sich Lemppenau mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Vofü-Gruppe sehr zufrieden. Der Jahresüberschuss in der Holding, wo die Ergebnisse der Lebens- und der Sachversicherung zusammengefasst sind, erhöhte sich im vergangenen Jahr von knapp 100 auf 116 Millionen Mark. Die Lebensversicherung verbuchte 3,8 Milliarden Mark laufende Beiträge, die Sachversicherung knapp 1,2 Milliarden Mark. Anders als andere Unternehmen schrieb auch die Sachversicherung, die unter heftigen Preiskämpfen leidet, schwarze Zahlen. Entgegen einer früheren Ankündigung werde die Dividende für die Aktionäre der Holding von 16 auf 17,50 Mark je Aktie erhöht, sagte Lemppenau.

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