Wirtschaft : Volkswagen: Das Erbe des Ferdinand Piëch

Alfons Frese

Ein guter Monarch zeichnet sich durch drei Dinge aus: die Auswahl des passenden Nachfolgers, den rechtzeitigen Rückzug sowie die Übergabe eines wohlorganisierten Reichs. Ferdinand Piëch, über neun Jahre Alleinherrscher in Wolfsburg, hat fast alles richtig gemacht. Bevor Bernd Pischetsrieder am 17. April den Vorstandsvorsitz bei Europas größtem Autohersteller übernimmt, sind die Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Und zwar von Pischetsrieder, dem Piëch bereits seit Monaten freie Hand lässt.

Künftig ist der Konzern in zwei Markengruppen organisiert. Die Modellpolitik wird so abgestimmt, dass es keine Überschneidungen zwischen Audi und Seat oder VW und Skoda gibt. So werden Ressourcen frei für Modelle, die im Konzernprogramm fehlen: Roadster, Minivans, Geländewagen und Cabrios. Das wird auch Zeit, denn bislang deckt der Konzern nur 75 Prozent des Fahrzeugmarktes ab. Anders gesagt: Ein Viertel des Marktes überlässt VW Wettbewerbern.

Dieses Defizit hat Piëch zu verantworten. Er setzte eben andere Prioritäten: Unbeirrt und mit viel Geld hat Piëch den Aufstieg des Konzerns in die Luxusklasse (Bentley) und in die Oberklasse (Phaeton) vorangetrieben, um Mercedes-Benz in den gewinnstärksten Pkw-Segmenten anzugreifen. Ob diese aufwändige Strategie aufgeht, wird in den nächsten Jahren an den Verkaufzahlen des Phaeton ablesbar sein. Das Beharren auf hoher Produktqualität hat VW aber bereits jetzt einen Imagegewinn gebracht; der Vorsprung von Mercedes und BMW ist kleiner geworden, und VW kann höhere Preise am Markt durchsetzen als andere Massenhersteller. Das ist die herausragende Leistung Piëchs: Er hat den behäbigen und spießigen Volkswagen aufgemotzt und einen Premiumtouch verpasst. Und auf diesem Kurs fortzufahren ist wohl kaum jemand besser geeignet als ein früherer BMW-Chef.

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