Wirtschaft : Volkswagen: Der Autokonzern löst mit "5000 mal 5000" Streit um Flächentarif aus

dc/huh

Einen Tag nach Tarifeinigung bei VW sorgt ein Passus aus dem Vertragstext für Irritationen: VW und IG Metall haben in ihrem Projekttarifvertrag für die Beschäftigten der Auto 5000 GmbH faktisch jährliche Lohnsteigerungen von drei Prozent vereinbart. Die Regelung soll gewährleisten, dass die Bezahlung der vorerst 3500 Beschäftigten in der neuen Autoproduktion nicht unter das Niveau des Flächentarifvertrags für die Metall- und Elektroindustrie sinkt - auch nicht nach den Lohnerhöhungen in der nächsten Branchen-Tarifrunde im Frühjahr 2002.

Auch wenn die direkt Beteiligten unisono versichern, die Prozentzahl sei keinesfalls eine Orientierungsmarke für kommende Tarifverhandlungen, sah sich der Verband der Metallindustriellen Niedersachsens (VMN) veranlasst, vor einer solchen Interpretation zu warnen. "Ebenso absurd wie die Einheitsbezahlung (...) ist die Unterstellung, dass im nächsten Frühjahr die Tarifverträge um drei Prozent erhöht werden ebenso wie im Frühjahr 2003", schreibt Hauptgeschäftsführer Dietrich Kröncke in einem Rundschreiben an die 250 Mitgliedsunternehmen . Für deren Mehrzahl seien "Größenordnungen dieser Art nicht denkbar".

Die 3500 Beschäftigten, die im Herbst 2002 in Wolfsburg die Produktion eines Minivans aufnehmen sollen, erhalten nach dem am Dienstag vereinbarten Tarifvertrag ein Monatsgehalt von einheitlich 4500 Mark sowie einen Erfolgsbonus, von mindestens 500 Mark im Monat. Gleichzeitig verpflichtet sich VW aber, das Lohnniveau des niedersächsischen Flächentarifvertrags nicht zu unterschreiten. Dazu ist im Vertrag eine Art Mindestentgelt geregelt, das sich aus den Gehaltsregeln des Flächentarifs errechnet. Dabei wird zugleich eine jährliche Lohnsteigerung von drei Prozent unterstellt.

Reinhard Göhner, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, verteidigte den Tarifvertrag und wandte sich strikt gegen die Vermutung, die Entgeltberechnung gebe eine Wegmarke vor: "Das ist eine reine Rechengröße. Ich sehe darin kein Präjudiz", sagte er dem Handelsblatt. Der neue VW-Tarifvertrag sei "ein Modell mit beispielhafter positiver Wirkung". Er verwies auf das geplante Arbeitszeitkonto, das mit einem Zeitguthaben von bis zu 200 Stunden ein hohes Maß an Flexibilität zulasse. "Gerade dies ist ganz im Sinne der Verabredungen im Bündnis für Arbeit." Im Übrigen gelte faktisch die 38-Stunden-Woche. Zusätzlich zur regulären Arbeitszeit sollen die Mitarbeiter drei Stunden wöchentlich an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen.

Auch die IG Metall will - wie der Arbeitgeberverband Gesamtmetall - die Festschreibung einer dreiprozentigen Gehaltssteigerung nicht als Vorfestlegung für die Tarifrunde verstanden wissen. Gewerkschaftssprecher Jörg Köther begründete die Regelung mit dem Wunsch von VW, exakte Zahlen zur Berechnung der Lohnkosten zu haben. Allerdings hatten auch Mitglieder der IG-Metall-Tarifkommission gestern Bedenken geäußert. Gleichwohl stimmte die Kommission dem Verhandlungsergebnis zu. Nun müssen noch der IG-Metall-Bundesvorstand und der VW-Vorstand zustimmen.

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