Wirtschaft : Volkswagen: Der deutsche Markt bremst VW

Zum Start ins letzte Jahr unter dem Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch hat der Volkswagen-Konzern seine Rekordfahrt fortgesetzt. Nach dem Spitzenjahr 2000 verbuchten die Wolfsburger im ersten Quartal 2001 zweistellige Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis. Allerdings wirkten schwache Absatzzahlen in Deutschland, den USA und Teilen Südamerikas als Bremsen. Dennoch setzte der Konzern nach Angaben vom Dienstag mit 1,36 Millionen Fahrzeugen 4,3 Prozent mehr ab als in der Vorjahresperiode. Für das Gesamtjahr rechnet die VW-Führung nicht mit "stützenden Impulsen" durch die Märkte. Daher sollen bei allen Marken und in allen Regionen Kosten und Erlöse "optimiert" werden.

Der VW-Konzern legte für Januar bis März nach HGB-Bilanz beim Umsatz um zehn Prozent auf 23,03 Milliarden Euro (rund 45 Milliarden Mark) zu. Das Ergebnis vor Steuern wuchs um 14,9 Prozent auf 708 Millionen Euro. Nach Steuern verdiente VW 389 Millionen Euro (plus 57,3 Prozent). Besser schneidet der Konzern bei der IAS-Bilanzierung nach internationalen Standards ab: Bei einem Umsatz von 22,66 Milliarden Euro beträgt der Gewinn vor Steuern 1,25 Milliarden Euro, nach Steuern 830 Millionen Euro. Die Umsatzrendite von 5,5 Prozent bleibt damit weiter unter dem von VW-Chef Piëch angegebenen Ziel von 6,5 Prozent. Im Rekordjahr 2000 hatte VW bei 85,5 Milliarden Euro Umsatz und einem Gewinn von 3,5 Milliarden Euro vor Steuern eine Umsatzrendite von rund vier Prozent erzielt.

Angesichts eines Absatzminus von 3,7 Prozent in Deutschland auf 248 000 Fahrzeuge tut VW offenbar einiges, um den Verkauf zu stützen: Mit 130 Millionen Euro stiegen die Vertriebskosten um 7,7 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro. Bisher stand der zuständige Vorstand Robert Büchelhofer hier eher für eine zurückhaltende Linie. In Westeuropa hielt der Konzern bei den Auslieferungen immerhin seine Vorjahreszahlen knapp, baute aber bei einem 4,3 Prozent rückläufigen Markt seinen Anteil auf 18,5 (17,8) Prozent aus. In den USA gab es ein Minus von 4,6 Prozent, obwohl der Importmarkt mit minus 0,1 Prozent nahezu unverändert bliebt. Wegen der Einführung neuer Modelle und der nötigen Produktions-Umstellungen fertigt der VW-Konzern nach Angaben eines Sprechers derzeit über den momentanen Bedarf hinaus auf "Vorrat": Die Produktion liegt mit 1,4 Millionen Fahrzeugen 13,2 Prozent über dem Vorjahr.

Die BMW AG legt am Donnerstag erstmals in der Firmengeschichte einen Quartalsbericht vor. Im Schnitt rechnen acht von Reuters befragte Analysten mit einem Gewinn von 693 Millionen Euro vor Steuern, die Prognosen liegen mit 375 Millionen bis 935 Millionen Euro jedoch weit auseinander. Im ganzen ersten Halbjahr 2000 hatte BMW vor Steuern 719 Millionen Euro verdient, wozu Rover noch einen Verlust von 762 Millionen Euro beisteuerte. Nach bereits vorliegenden Zahlen setzte sich BMW im ersten Quartal von der Branche ab. In Deutschland verkaufte BMW 5,8 Prozent mehr Autos, weltweit waren es gar 9,7 Prozent mehr. In den USA schnellte der Absatz zuletzt im April um 30,5 Prozent nach oben.

Unterdessen bestätigte einen Sprecherin von Daimler-Chrysler, dass die Garantieleistungen für Mercedes-Benz-Fahrzeuge deutlich gestiegen sind. Nach einem Zeitungsbericht sind die Garantieleistungen zwischen 1998 und dem Jahr 2000 um 340 Prozent auf 3,4 Milliarden Mark geklettert. Damit hätten sie in etwa die Höhe der Entwicklungskosten der Marke Mercedes erreicht, berichtet die "Financial Times".

Hauptgrund für die gestiegenen Kosten sei die durch Computersimulationen extrem verkürzte Entwicklungszeit bei den Modellen A-Klasse und M-Klasse. Die Sprecherin führte den Kostenanstieg indes auf die deutlich ausgeweiteten Garantieangebote zurück. So habe Daimler-Chrysler im Oktober 1998 ein neues Langzeit-Garantiepaket für die Marke Mercedes-Benz eingeführt. Dieses sehe unter anderem neuartige Leistungen wie einen kostenlosen Ersatzwagen und eine Vorort-Reparatur vor. "Es ist klar, dass dadurch ein Kostenblock zu Stande kommt."

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