Wirtschaft : Volkswagen: Der Konzern spinnt ein "Netzwerk des Abschirmens"

stw

Volkswagen erwartet entgegen einem Zeitungsbericht nach eigenen Angaben keine Änderung des VW-Gesetzes, will sich aber aus eigener Kraft vor feindlichen Übernahmen schützen. "Wir gehen davon aus, dass das VW-Gesetz weiter Bestand hat, aber Volkswagen ist nicht darauf angewiesen", sagte Konzernsprecher Klaus Kocks am Montag. "Wir müssen uns aus einer Kraft gegen eine Übernahme schützen können. Unsere Strategie richtet sich darauf, den Unternehmenswert zu erhöhen". Die Darstellung der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe), wonach VW sich darauf vorbereite, dass die EU-Kommission das VW-Gesetz und dessen Schutzfunktion zu Fall bringen werde, sei falsch.

In der vergangenen Woche hatte EU-Kommissions-Sprecher Jonathan Todd gesagt, die Kommission überprüfe seit geraumer Zeit die Situation bei VW, weil es möglicherweise einen zu großen staatlichen Einfluss auf den Konzern gebe und andere Investoren behindert würden. Das 40 Jahre alte "VW-Gesetz" besagt, dass kein VW-Anteilseigner auf den Hauptversammlungen auch dann über mehr als 20 Prozent der Stimmen verfügen darf, wenn er mehr Anteile an dem Unternehmen hält. Derzeit ist das Land Niedersachsen mit knapp 20 Prozent der Anteile der mit Abstand größte Einzelaktionär des Unternehmens.

Volkswagens Unabhängigkeit zu sichern, sei die wichtigste Aufgabe der nächsten Jahre, sagen auch Aufsichtsratsmitglieder von VW. Vorstandschef Ferdinand Piech spricht von einem "Netzwerk des Abschirmens". Derzeit konzentrieren sich die internen Gedankenspiele auf die Frage, wie man mehr als die Hälfte der Stimmrechte in "befreundete" Hände bringen kann. VW hat zehn Prozent der eigenen Aktien zurückgekauft und will sie nicht an die Börse zurückgeben - damit ist, den Hannoveraner Landesanteilö eingerechnet, schon jede dritte Stimme unter Kontrolle. Einen weiteren Rückkauf soll die Hauptversammlung im Juni genehmigen, ebenso diverse Kapitalmaßnahmen, die jeden Spielraum für Partnerschaften und Käufe geben. Der nächstliegende Schritt ist dabei die Komplettübernahme des Lkw-Herstellers Scania.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben