Wirtschaft : Volkswagen engagiert einen Sanierer Ex-Daimler-Chrysler-Mann Bernhard wird Vorstand

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Berlin Volkswagen will den ehemaligen Daimler-Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard als Vorstand engagieren. Ab Februar 2005 werde Bernhard in die VW-Spitze aufrücken, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Wolfsburg mit. 2006 soll Bernhard dann die Verantwortung für die Marke Volkswagen übernehmen. An der Börse war die VW-Aktie am Mittwoch stärkster Wert im Dax und gewann mehr als fünf Prozent.

„Wir freuen uns, mit Wolfgang Bernhard einen ausgewiesenen Branchenkenner und erfahrenen Automobilmanager gewonnen zu haben“, sagte VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Über einen Wechsel Bernhards zu VW war seit Wochen spekuliert worden. Der 44-Jährige gilt als Sanierer und als Experte in Sachen Produktivität und Qualität – auf beiden Feldern hat Europas größter Autobauer Probleme. Bernhard übernimmt die Führung der Marke VW von Pischetsrieder, der den Umbau des Konzerns seit geraumer Zeit vorantreibt. Man arbeite sei einem Jahr an der Entflechtung von Marken- und Konzernfunktionen, erklärte er. Sobald dieser Prozess abgeschlossen sei, solle Bernhard die Marke VW eigenständig führen. Bislang waren die Verantwortung für die Marke VW sowie für den Konzern eng miteinander verwoben. Der VW-Betriebsrat wollte sich zur Personalie Bernhard nicht äußern.

Bernhard galt bis Ende April als Kandidat für die Mercedes-Spitze. Der Posten wurde ihm aber kurz vor Amtsantritt verwehrt. Grund: Bernhard hatte Branchenkreisen zufolge zum einen die Asien-Pläne von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp kritisiert, zum anderen Mercedes als Sanierungsfall bezeichnet – zum Ärger der Gewerkschaft. Zuvor hatte sich der promovierte Volkswirt Bernhard als Chrysler-Sanierer in den USA einen Namen gemacht.

Die Markengruppe Volkswagen (zu der noch Skoda, Bugatti und Bentley gehören) leidet unter einem massiven Gewinnrückgang. Im ersten Halbjahr ging das Plus auf 33 Millionen Euro zurück, nach 319 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Als Ursachen gelten die Marktschwäche, ungünstige Wechselkurse, hohe Produktionskosten, aber auch Fehler in der Modellpolitik. Zum VW-Konzern gehören überdies Audi, Seat und Lamborghini.

Analysten begrüßten das Engagement Bernhards. „Er ist der richtige Mann, um die Probleme in den Griff zu bekommen“, sagte Marc-René Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. Allerdings werde es dauern, bis er bessere Ergebnisse erreiche. Schuld daran sei auch der große Einfluss des Landes Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat, der harte Maßnahmen in den westdeutschen Werken verhindere.

Die Tarifrunde bei VW spitzt sich derweil zu. VW-Chef Pischetsrieder wurde gestern auf einer Betriebsversammlung mit Pfiffen und Buh-Rufen begrüßt. Am Vortag war die zweite Verhandlungsrunde zwischen Konzern und IG Metall ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Wie die „Bild“-Zeitung meldete, plant VW nun die Ausgliederung von bis zu 5000 Stellen in die Tochterfirma Autovision. Dort sind die Löhne der Arbeiter deutlich geringer. Das Management will bis 2011 die Personalkosten um 30 Prozent senken. brö

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