Volkswagen : Verständigung auf Sanierungspaket

Nach langen Verhandlungen haben sich der VW-Konzern und die IG Metall auf ein Sanierungspaket geeinigt. Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis und wollen den Ergänzungstarifvertrag, der fünf Jahre gelten soll, nächsten Mittwoch unterzeichnen.

Wolfsburg/Hannover - VW machte nach Angaben der IG Metall verbindliche Produktzusagen zur Beschäftigungssicherung und zahlt den Mitarbeitern eine ergebnisorientierte Erfolgsbeteiligung. Im Gegenzug steigt die Wochenarbeitszeit für die Mitarbeiter in der Produktion von 28,8 auf 33 Stunden ohne Lohnausgleich. VW hatte die 35-Stunden-Woche gefordert.

Laut IG Metall machte VW "verbindliche und konkrete Zusagen" für alle sechs VW-Werke in Wolfsburg, Emden, Kassel, Braunschweig, Salzgitter und Hannover mit fast 100.000 Beschäftigten. Im Stammwerk Wolfsburg etwa soll nun der neue Golf produziert werden. Mit diesen Zusagen sei die Beschäftigung über 2011 hinaus gesichert, erklärte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine. Neben der ertragsabhängigen Erfolgsbeteiligung zahlt VW den Beschäftigten auch einmalig 6279 Euro für ihre Betriebsrente.

Flexibler Arbeitszeitkorridor vereinbart

Die vom Konzern geforderte 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich lehnte die IG Metall bis zuletzt ab. Vereinbart wurde ein flexibler Arbeitszeitkorridor zwischen 25 und 33 Stunden. Eine nötige 34. oder 35. Stunde werde wie bislang als Mehrarbeit bezahlt, teilte die Gewerkschaft mit. VW-Personalvorstand Horst Neumann betonte, mit dem Korridor könne VW auf Marktschwankungen besser reagieren. Vereinbart wurde zudem, dass die VW-Beschäftigen für 2007 lediglich einmalig 1000 Euro bekommen. Ab 2008 sollen die Vereinbarungen der niedersächsischen Metallindustrie übernommen werden. Das bedeutet das Ende des VW-Haustarifvertrags.

Neumann erklärte, mit den Vereinbarungen sei die Restrukturierung von VW "einen großen Schritt vorangekommen". Wettbewerbsfähigkeit sei die Voraussetzung für Beschäftigung. "Das haben wir mit der Rückkehr zu normalen Arbeitszeiten erreicht." Meine hob hervor, dass die Beschäftigen ihren Beitrag zur Sanierung der Kernmarke VW erbracht hätten. "Jetzt ist der Vorstand am Zug."

Peters: Akzeptabler Kompromiss

Der IG Metall-Vorsitzende Jürgen Peters begrüßte das Verhandlungsergebnis als einen Kompromiss, der Unternehmensziele und die Interessen der Beschäftigten gleichermaßen berücksichtige. Damit sei es gelungen, Produktion bei Volkswagen an allen Standorten in Deutschland zu vernünftigen Bedingungen zu halten.

Die Marke Volkswagen hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr in den sechs westdeutschen Werken rote Zahlen geschrieben. Als Reaktion stellte das Unternehmen insgesamt 20.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Betriebsbedingte Kündigungen sind allerdings bis Ende 2011 ausgeschlossen. 3500 Beschäftigte nahmen bislang ein Abfindungsangebot an und gingen freiwillig; weitere 9700 vereinbarten den Vorruhestand. (tso/AFP)

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