Wirtschaft : Volkswagen wird umgebaut

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Der VW-Konzern gibt sich eine neue Struktur und wechselt die Spitze der Tochter Audi aus. Wie VW am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte, wird der bisherige VW-Entwicklungsvorstand Martin Winterkorn am 1. März 2002 neuer Audi-Chef. Der gegenwärtige Audi-Vorstandsvorsitzende Franz-Josef Paefgen übernimmt dann die Leitung von Bentley und Rolls-Royce. Der Aufsichtsrat beschloss ferner ein leicht reduziertes Investitionsprogramm.

In den kommenden fünf Jahren will der VW-Konzern 60,6 Milliarden Mark investieren. Das sind knapp drei Milliarden Mark weniger als bei der Planungsrunde des vergangenen Jahres veranschlagt worden waren. Dabei werden unverändert etwa 41 Milliarden Mark für die Modernisierung der Produktpalette ausgegeben. Grafik: Der Volkswagen-Konzern Das Pkw-Geschäft von Europas größtem Autohersteller wird vom 1. Januar an in zwei Markengruppen unterteilt. Zum einen die sportliche Gruppe unter der Führung von Audi mit den weiteren Marken Seat und Lamborghini, und zum anderen eine Sparte mit VW, Skoda, Bentley und Bugatti. "Unter Leitung des Konzerns führen die Marken Audi und Volkswagen ihre jeweilige Gruppe unternehmerisch und zeichnen gleichzeitig für das weltweite Ergebnis der gesamten Margengruppe verantwortlich", schreibt VW in einer Mitteilung. Dabei behalte jede Marke "ihren eigenständigen Charakter und operiert selbstständig am Markt". Im Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge ändert sich nichts, dagegen werden die bislang getrennt laufenden Sparten "Financial Services" und "Europcar" zusammengeführt. Nach Regionen teilt sich der VW-Konzern künftig so auf: Europäische Union, die Region Nordamerika, die Region Südamerika/Südafrika sowie der Asien-Pazifik-Raum, dem auch alle weiteren Länder zugeordnet werden. Ziel der neuen Struktur sei "eine Ausweitung der Gesamtmarktabdeckung und eine verstärkte Marktausschöpfung in den einzelnen Segmenten".

Bernd Pischetsrieder, der am 17. April kommenden Jahres VW-Chef wird, bekommt zum 1. März 2002 zusätzlich die Verantwortung für den Geschäftsbereich Forschung und Entwicklung, den bis dahin der an die Audi-Spitze wechselnde Winterkorn betreut. Pischetsrieder behält den Geschäftsbereich Konzern-Qualitätssicherung in seiner Verantwortung, gibt aber die Leitung der spanischen Tochter Seat Anfang März ab. An die Seat-Spitze rückt "zunächst zusätzlich" der Audi-Personalvorstand Andreas Schleef. An weiteren Personalmaßnahmen teilte VW mit, dass der jetzige Audi- und künftige Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen den Bereich "Konzernforschung" sowie die Motorsportaktivitäten aller Markten des VW-Konzerns leiten wird. Paefgen werde zudem Generalbevollmächtigter der VW AG. Vor der Aufsichtsratssitzung war spekuliert worden, dass sich Paefgen ganz aus dem Automobilgeschäft zurückziehen und einen Lehrstuhl annehmen könnte.

Neben Pischetsrieder hat nun Martin Winterkorn den größen Einfluss auf die Geschäftspolitik. Als Audi-Chef führt Winterkorn auch die gesamte sportliche Gruppe mit den Marken Seat und Lamborghini. Der 54-jährige gebürtige Leonberger hat den Großteil seiner Karriere bei Audi verbracht. Mit seinem Namen wird die Einführung der vollverzinkten Karosserie bei Audi in Zusammenhang gebracht. Trotz seiner inzwischen mehr als acht Jahre in der Wolfsburger Konzernzentrale hat Winterkorn in Ingolstadt nach wie vor seinen Wohnsitz, wo er vor gut 20 Jahren seine Laufbahn als Assistent des Audi-Vorstands begann. Voraus gegangen war eine vierjährige Tätigkeit bei Bosch nach der Promotion am Max-Planck-Institut für Metallforschung und Metallphysik. Unter dem Audi-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand PieÃch wurde Winterkorn 1990 Leiter der Qualitätssicherung des Ingolstädter Unternehmens. Mit Piëchs Aufstieg zum VW-Chef rückte Winterkorn in Wolfsburg an die Spitze der Konzern-Qualitätssicherung. Anfang 1996 wurde er Markenvorstand für technische Entwicklung. Seit Juli 2000 ist er Konzernvorstand für Forschung und Entwicklung.

Eröffnung der gläsernen Fabrik

Unterdessen teilte VW mit, dass am 11. Dezember in Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder die so genannte gläserne Manufaktur in Dresden eröffnet wird. Mit der dort gebauten Luxuslimousine unter dem Arbeitstitel D1 will VW in die Oberklasse vorstoßen. VW investierte in Dresden rund 365 Millionen Mark. Nach dem Produktionsstart sollen in der Fabrik gut 800 Beschäftigte bis zu 100 Limousinen pro Tag fertigen. Im zweiten Halbjahr soll das Auto auf den Markt kommen, der Preis wird voraussichtlich um die 150 000 Mark betragen. Das Nobelauto wird mehr als fünf Meter lang und knapp zwei Meter breit sein.

Als Auswahl stehen zu Beginn zwei Benzinmotoren: Ein 3,2 Liter V 6 mit 241 PS sowie ein 6,0 Liter W 12 mit 420 PS. Ferner bietet VW den nach eigenen Angaben weltweit stärksten Diesel-Pkw-Antrieb. "Ein extrem kultivierter 5,0 Liter V 10 TDI mit 313 PS und gewaltigen 750 Newtonmetern maximalem Drehmoment." Ein Großteil der Karosserie besteht aus Alumimium, die Stahlteile sind vollverzinkt. Besonders stolz ist VW auf die Türen, die als "technisches Wunderwerk" angepriesen werden. "Aus einem lasergeschweißten Alu-Druckguss-System gefertigt, übertreffen sie in ihrer Steifigkeit die bislang realisierten Strukturen."

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