Wirtschaft : Volkswagen: Wolfsburger sorgen für neue Übernahmefantasien

zel/sce

Der Volkswagen-Konzern wird voraussichtlich Revision gegen das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) einlegen. Dies berichtet das Handelsblatt. Der Automobilkonzern wollte zuächst keinen Kommentar zu der Meldung abgeben. Für den Freitag Abend war bei VW allerdings eine Sitzung des Aufsichtsrates geplant, von dem Beobachter eine Entscheidung erwarten. "Volkswagen hat noch bis Montag Zeit", sagte eine EuGH-Sprecherin.

Der Europäische Gerichtshof hatte gegen den Automobilhersteller Anfang Juli eine Geldbuße von 90 Millionen Euro verhängt, weil die Wolfsburger angeblich gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen hatten. Der EuGH hatte mit seinem Beschluss im Juli im Wesentlichen eine Entscheidung der EU-Kommission bestätigt und nur die Höhe des Bußgeldes gesenkt. Die Wettbewerbshüter in Brüssel hatten Anfang 1998 gegen den Wolfsburger Automobilkonzern ein Strafgeld von 102 Millionen Euro verhängt, weil VW systematisch gegen das europäische Wettbewerbsrecht verstoßen habe. Mitte der neunziger Jahre soll VW seinen italienischen Händlern untersagt haben, Fahrzeuge an Kunden aus Deutschland und Österreich zu verkaufen. Wegen des niedrigen Lira-Wechselkurses lohnte sich damals der Autokauf in Italien.

Bereits vor der Aufsichtsratssitzung kündigte VW am Freitag den Rückkauf von bis zu zehn Prozent seiner Stammaktien an. Damit solle der Wert der Papiere gesteigert und Spielraum für mögliche Übernahmen oder Beteiligungen gewonnen werden, teilte das Unternehmen mit. Die Börsen reagierten prompt. Bei überdurchschnittlichen Umsätzen von knapp drei Millionen Aktien bis 14 Uhr stieg die Stammaktie um 4,5 Prozent auf 49,13 Euro.

Die Volkswagen AG nutzte mit ihrem Schritt eine im Zuge der Kapitalerhöhung 1999 eingebaute Option, einen Teil der Aktien zurückzukaufen. Die VW-Hauptversammlung hatte am 23. Mai 2000 die Rückkaufsoption verlängert. Auf der Hauptversammlung hatten Aktionäre den Konzernvorstand aber auch wegen des niedrigen Aktienkurses zum Teil heftig kritisiert. VW müsse nicht nur perfekte Autos bauen, sondern auch "perfekte Kurse zimmern".

Analysten hielten es für wenig wahrscheinlich, dass Volkswagen ein anderes Unternehmen kaufen wird. Sie erwarten vielmehr, dass die Wolfsburger ihren Anteil an dem Lkw-Hersteller Scania aufstocken werden. VW war im März mit 18,7 Prozent bei dem schwedischen Konkurrenten eingestiegen und hatte mit 34 Prozent der Stimmrechte dort zugleich die unternehmerische Führung übernommen. Albrecht Denninghoff von der Berliner Bankgesellschaft brachte den angeschlagenen südkoreanischen Autobauer Daewoo Motor ins Spiel, an dem Volkswagen seiner Ansicht nach interessiert sein könnte.

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