Wirtschaft : Volkswirtschaft in Asien: Japan verpasst den Anschluss

Japan wartet auf einen dauerhaften Aufschwung, Hongkong und Taiwan leiden unter der Abschwächung in den USA, alle Hoffnungen in Asien richten sich auf China und die Tigerstaaten. Insgesamt sind die Konjunkturaussichten in Asien gut - die hohen Zuwachsraten der Boomjahre sind allerdings auch für 2001 nicht in Sicht. Dreieinhalb Jahre nach Ausbruch der verheerenden Asienkrise haben sich die Volkswirtschaften der Region wieder gefestigt. Vom tiefen Rezessionstal sind sie auf einen beständigen Wachstumspfad zurückgekehrt. Viele Länder Südostasiens haben Strukturreformen im Finanz- und Unternehmenssektor in Angriff genommen. Mit dem auflebenden Wachstum drohen die Reformen aber ins Stocken zu geraten.

Für Japan, Asiens größte Volkswirtschaft, zeichnet sich auch 2001 kein Ende der wirtschaftlichen Lethargie und Deflationstendenz ab. Die meisten Konjunkturforscher erwarten, dass sich das flaue Wachstum wieder auf 1,5 Prozent verlangsamt. Die Gründe dafür sind stagnierende Exporte sowie das Auslaufen des Investitionsbooms. Angesichts der anhaltenden Umstrukturierung bei den Unternehmen, einer spektakulären Konkurswelle sowie unverändert starker Zukunftsängste zeichnet sich keine spürbare Belebung des so entscheidenden privaten Verbrauchs ab. Auch schließen manche Ökonomen nicht aus, dass das Finanzsystem erneut erschüttert wird: Die extrem hohen Problemkredite könnten weiter steigen. Eine Rezession gilt in Japan aber als unwahrscheinlich; das jüngste der Konjunkturprogramme zeigt langsam Wirkung. Japans Schuldenberg wächst indes auch 2001 weiter.

Japan: Zweifel an der Erholung

Jüngste Zahlen des Handelsministeriums (Miti) belegen einen starken Rückgang der Industrieproduktion und nähren - nach den bereits enttäuschenden Konjunkturdaten vom Anfang dieser Woche - weitere Zweifel an der wirtschaftlichen Erholung. Die Zahlen deuteten auf eine zunehmend schlechtere Lage im Unternehmenssektor hin, der bisher die wirtschaftliche Erholung getragen habe, sagen Analysten in Tokio. Viele befürchten jetzt eine erneute Rezession. Laut Miti fiel die Industrieproduktion im November saisonbereinigt um 0,8 Prozent zum Vormonat. Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Zuwachs von 0,2 Prozent vorausgesagt. Auch das Miti hatte mit einem Anstieg von 0,1 Prozent gerechnet. Gegenüber dem Vorjahresmonat liegt die Produktion aber noch mit 3,2 Prozent im Plus. Bereits am Dienstag hatten eine steigende Arbeitslosenquote (2000: 4,7 Prozent) sowie sinkende Verbraucherausgaben und Einzelhandelsumsätze die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung der Konjunktur gedämpft. Gesunkene Verbraucherpreise hatten außerdem auf die Gefahr einer Deflation hingewiesen und den Druck auf die Notenbank erhöht, zur Nullzinspolitik zurückzukehren.

Die Unsicherheit über die künftige Konjunkturentwicklung hat auch die japanischen Aktien in diesem Jahr kräftig unter Druck gesetzt. Der Nikkei-225-Index schloss am Donnerstag, dem vorletzten Handelstag des Jahres, bei 13 946,9 Zählern - gut 25 Prozent niedriger als zum Jahresanfang. Gemessen an seinem Jahreshöchststand, den der Index im April bei 20 833 Punkten erreichte, ist der Nikkei sogar um 33 Prozent abgerutscht.

Deutlich besser als Japan schließen die südostasiatischen Länder das alte Jahr ab. Die Wachstumsraten liegen zwischen vier und neun Prozent. Ähnlich günstig lauten auch die Prognosen für 2001. Am schnellsten und überzeugendsten hat Singapur den Wiederaufstieg aus der Krise geschafft. Der Stadtstaat hat nicht nur von seiner "intelligenten" Industriestruktur profitiert, sondern auch mutig Reformen angepackt. Der Exportboom des Industrialisierungslandes Malaysia, zweiter Wachstumsstar in Südostasien, lebt hingegen vom Boom der weltweiten Elektronikmärkte. Je länger der inzwischen unterbewertete Ringgit an den US-Dollar gebunden bleibt, desto größer wird der volkswirtschaftliche Anpassungsbedarf. In Malaysia hat sich wie in Thailand und Indonesien ein Reformstau gebildet. Die Rekapitalisierung und Umstrukturierung der meisten Banken wie auch der großen Konglomerate ist auf halbem Weg stecken geblieben.

Eine harte Landung der US-Wirtschaft könnte die exportabhängigen Länder schmerzen: Weder Thailand noch Indonesien, weder die Philippinen noch Malaysia haben bei ihrer Ausgabenpolitik auf Pump noch Spielraum für eine anregende Fiskalpolitik. Auf den Philippinen belastet zudem der in Korruptionsaffären verwickelte Präsident Joseph Estrada die Wirtschaft. Auch nach Indonesien werden ausländische Investoren erst wieder strömen, wenn eine kraftvollere Persönlichkeit das Land regiert als der jetzige Präsident Abdurrahman Wahid.

Chinas Konjunktur springt an

In China, das die Asienkrise nur indirekt getroffen hatte, ist nach fünf Jahren rückläufiger Wachstumsraten der Konjunkturmotor wieder angesprungen. Nach 7,1 Prozent im Vorjahr dürfte Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ablaufenden Jahr real um acht Prozent gestiegen sein. Ein merkliches Anziehen der Inlandsnachfrage soll die chinesische Wirtschaft im kommenden Jahr gegen eine weltweite Abkühlung der Konjunktur immunisieren. Der anstehende Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO dürfte zudem eine Flut von Auslandsinvestitionen auslösen. Hinzu kommt, dass die Regierung in Peking Milliarden in Infrastrukturprojekte pumpt. Die Regierung ist dazu verdammt, die Wachstumsdynamik der Volkswirtschaft am Leben zu erhalten, will sie soziale Unruhen durch steigende Arbeitslosigkeit vermeiden.

Anders als China dürfte Taiwan 2001 die Folgen der Konjunkturabkühlung in den USA deutlich spüren: Die Exporte werden merklich zurückgehen; das Wachstum könnte sich bis auf 4,5 Prozent verlangsamen. Es fiele damit so gering aus wie seit 19 Jahren nicht mehr. Die schwierige politische Mehrheitssituation schadet zudem dem Investitionsklima und belastet den Aktien- und Immobilienmarkt. Wachstumssieger in Asien war in diesem Jahr Hongkong. Das BIP in Chinas Sonderverwaltungszone schnellte um rund zehn Prozent hoch. Der Exportboom dürfte jedoch bald deutlich nachlassen. 2001 soll sich das Wachstum mehr als halbieren.

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