Wirtschaft : Volkwirte rechnen mit weiteren Zinserhöhungen - Notenbanker sind über den Wechselkurs besorgt

Der Wechselkurs des Euros, der von einem Tiefstand in den nächsten fällt, gibt der Europäischen Zentralbank (EZB) Anlass zur Sorge. In ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht April erklärten die obersten Euro-Währungshüter, diese Sorge gelte der künftigen Preisstabilität. Im Zusammenhang mit den günstigen Aussichten für ein kräftiges Wachstum müssten die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf den Inflationsdruck genau beobachtet werden. Experten gehen davon aus, dass die EZB in nächster Zeit erneut die Zinsen erhöhen wird. Unter Frankfurter Volkswirten gilt eine Erhöhung in zwei Schritten um jeweils 0,25 Prozentpunkte als ausgemacht. Die nächste Sitzung des EZB-Rates findet am kommenden Donnerstag statt. Der Euro war am Gründonnerstag gegenüber dem US-Dollar weiter abgerutscht. Der Referenzkurs wurde mit 0,9376 Dollar nach 0,9461 Dollar am Mittwoch festgestellt.

In dem Monatsbericht heißt es weiter, die Geldpolitik müsse "bei der Beurteilung der Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität wachsam bleiben und, wenn erforderlich, rechtzeitig geeignete Maßnahmen" ergreifen. Mit einer vorausschauenden Geldpolitik könne "zweifellos am besten zur Sicherung eines langanhaltenden wirtschaftlichen Wachstums" beigetragen werden. Im Wechselkurs des Euros spiegele sich die anhaltende Verbesserung der Wirtschaftsaussichten im Euroraum nicht wider. Der jüngste Anstieg der Inflationsrate im gemeinsamen Währungsraum sei zum Großteil auf die Auswirkungen der Ölpreis- und Wechselkursentwicklung zurückzuführen. In den vergangenen Wochen seien die Ölpreise jedoch gefallen. "Dies entspricht der den aktuellen Konjunkturprognosen zu Grunde liegenden Annahme, der bis März 2000 verzeichnete Ölpreisanstieg werde sich im Jahresverlauf teilweise umkehren", berichtete die EZB. Gleichzeitig habe sich die Ölpreis- und Wechselkursentwicklung der vergangenen Monate mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht in vollem Umfang über die Import- und Erzeugerpreise in stiegenden Verbraucherpreisen niedergeschlagen. Daher sei eine vorübergehend über zwei Prozent steigende Inflationsrate nicht auszuschließen. Im jüngsten Konjunkturbericht des Bundesverbandes deutscher Banken heißt es, eine neuerliche Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank in den kommenden Monaten sei sehr wahrscheinlich. Spätestens im Herbst dürfte dann der entscheidende Leitzins bei rund vier Prozent liegen.

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