Wirtschaft : Volvo ändert seine Strategie

GÖTEBORG / STOCKHOLM (rtr).Volvo hat den Versuch einer feindlichen Übernahme des Lastwagen- und Bus-Produzenten Scania aufgegeben.Wie Vorstandschef Leif Johansson am Donnerstag in Göteborg mitteilte, will Volvo stattdessen eine Kooperation beider Unternehmen auf breiter Front im Kampf gegen den weltweiten Branchenführer DaimlerChrysler erreichen.Scania-Sprecherin Luise Melander erklärte dazu in Stockholm, für ihr Unternehmen habe sich durch die Ankündigung der neuen Volvo-Strategie "nichts geändert.Wir sind nicht an einer Kooperation mit Volvo interessiert." Scania hatte in den letzten Wochen öffentlich und massiv gegen alle Übernahmepläne durch den schwedischen Konkurrenten Stellung bezogen.Johansson, dessen Unternehmen seit Jahresbeginn 20 Prozent der Scania-Anteile zusammengekauft hat, verwies darauf, daß DaimlerChrysler als größter Lkw- und Bushersteller der Welt derzeit mehr als doppelt so groß sei wie Volvo.Er sagte: "Volvo und Scania müssen gleichermaßen aufpassen, daß wir nicht von DaimlerChrysler überfahren werden".

Um die Position beider Unternehmen gegenüber dem Hauptkonkurrenten zu stärken, könne man sowohl bei Unterlieferanten, wie auch bei der Entwicklung von Motoren und neuen Lkw-Modellen kooperieren.Volvo wolle deshalb eine Beteiligung von Scania an der bereits bestehenden Kooperation mit Mitsubishi vorschlagen.Volvo-Nutzfahrzeugchef Louise Jarn Melander erklärte, der Konzern habe in Nordamerika "sehr aggressive Wachstumspläne".Johansson meinte ferner zu dem Strategiewechsel der Volvo-Führung, eine Übernahme gegen den erklärten Willen des derzeitigen Scania-Mehrheitsaktionärs Investor und der dahinterstehenden Wallenberg-Gruppe sei "wenig sinnvoll".Investor hält 49 Prozent der Scania-Stimmrechte und 27,3 Prozent des Grundkapitals.Scania hatte die Ablehnung einer Übernahme durch Volvo mit dem befürchteten Verlust von Marktanteilen sowie von 16 000 Arbeitsplätzen in Schweden begründet.Johansson meinte: "Wenn sich der derzeitige Rauch gelegt hat, wird man sehen, daß es erheblichen Bedarf an konkreter Kooperation gibt."

Der Volvo-Chef ging nicht auf das Interesse anderer Autokonzerne wie Volkswagen, Hino Motor (Japan) und Navistar in den USA an einer Scania-Übernahme ein.Er hatte in den vergangenen Wochen mehrfach erklärt, daß Schwedens größtes Autounternehmen eine solche Lösung unter allen Umständen verhindern wolle.Die Volvo-Führung steht nach Meinung von Branchenbeobachtern unter starkem Druck eigener Aktionäre, die Einnahmen aus dem Verkauf der Pkw-Sparte an Ford Anfang des Jahres möglichst bald durch Unternehmensübernahmen produktiv anzulegen.Sollten die derzeitigen Scania-Eigner einer Übernahme durch Volvo doch noch zustimmen, sei man zu diesem Schritt auf jeden Fall bereit, erklärte Johansson.VW hat wiederholt Interesse an Scania bekundet, doch dabei immer wieder auf die Hürde des zu hohen Preises verwiesen.

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