Wirtschaft : Vom Binnenmarkt allein läßt sich nicht leben

Der koreanische Automobilkonzern Daewoo engagiert sich mitten in der Usbekischen Provinz ASAKA (mzi/HB).Ein hoher Ausbildungsgrad und eine vergleichsweise beachtliche Wirtschaftsleistung machen das Ferghana Tal zu einem Herzstück Usbekistans.Für eben jenes Tal entschied sich vor rund dreieinhalb Jahren der koreanische Automobilkonzern Daewoo, um eines der modernsten Automobilwerke zu errichten.Die Idee für das Joint Venture zwischen der Daewoo Corp.und der usbekischen Kfz-Assoziation Uzautosanoat wurde bereits im Juni 1992 entwickelt, im März 1996 lief der erste Daewoo "Made in Uzbekistan" vom Band.Bis heute allerdings sind die Fahrzeuge der Typen Damas, Tico und Nexia bei weitem noch keine lupenreinen usbekischen Eigenbauten.Sofern nicht bereits vorgefertigt, werden die Rohmaterialien nahezu komplett aus Korea eingeführt.Im Hauptwerk oder in einem der mittlerweile sechs Zulieferbetriebe werden dann unter anderem Türen und Stoßstangen für das Joint Venture "Uzdaewooawto" produziert.Montiert wurden die 65 000 Fahrzeuge, die 1997 die Hallen verließen, auf hochmodernen Anlagen, weshalb Daewoo bereits vom "Werk des 21.Jahrhunderts" in Asaka spricht.Der Grad der Automatisierung schwankt dabei je nach Fahrzeugtyp von 53 bis 64 Prozent.Mitten in der usbekischen Provinz wirkt das blitzsaubere Daewoo-Werk wie aus einer anderen Welt.Die 4100 Beschäftigten, von denen 3150 in der Produktion arbeiten, müssen sich innerhalb der Firmenmauern dem straffen koreanischen Arbeitsethos unterordnen.Zur Vorbereitung darauf verbrachte nahezu jeder Mitarbeiter drei bis achtzehn Monate in Korea.1997 hat das Unternehmen nach Angaben des Ersten stellvertretenden Generaldirektors Yu Yim Chong erstmals mit einem kleinen Gewinn abgeschlossen.Der Umsatz hatte sich im Vorjahr auf 650 Mill.Dollar erhöht, nach 260 Mill.Dollar 1996.Für das laufende Jahr kalkuliert man mit 730 Mill.Dollar und 88 000 produzierten Autos.Der "local content" bei der Herstellung, der heute bei 10 Prozent liegt, soll auf bis zu 35 Prozent wachsen.Nur ungern spricht Yu Yim Chong allerdings darüber, daß 14000 unverkaufte Daewoos im Werk und bei den Händlern auf Halde stehen.Aus einer Reihe von Gründen ist das Engagement in Usbekistan bis heute noch nicht jene "Erfolgsstory", die es eigentlich sein sollte.So ist zum einen die asiatische Finanzkrise Ursache dafür, daß in Taschkenter Geschäftskreisen heftig darüber spekuliert wird, ob Daewoo sein Investment drosselt.Kim Joon-Ki, Chef der Daewoo Corp.in Taschkent, spielt solche Befürchtungen herunter.Daewoo, das neben dem Fahrzeugbau in Usbekistan in den Sparten Elektronik, Telekom, Banken, Textil und Computer engagiert ist, bleibe bei seinen Zusagen.Zum anderen aber bereitet dem Vorzeigeinvestor zunehmend die Nicht-Konvertibilität der Landeswährung Sum Kopfzerbrechen.Da Uzdaewooawto die Mehrheit seiner Fahrzeuge auf dem Binnenmarkt verkauft, muß es einen Gutteil Sum in Dollar wechseln, um die Rechnungen der koreanischen Zulieferer bezahlen zu können.Zwar verfügt das Unternehmen über eine Konvertierungslizenz; in der Praxis jedoch hängt der Nutzen dieses Papiers davon ab, wie liquide die usbekische Zentralbank mit ihren Devisenreserven ist.Eine der Direktorinnen der usbekischen Seite des Joint Ventures, Olga Rachimschanowa, räumt offen ein, daß der Verkauf auf dem Binnenmarkt nicht besonders attraktiv für das Gemeinschaftsunternehmen ist.Zudem können immerhin jene Usbeken, die über einen Zugang zu Dollarmitteln verfügen, den Kaufpreis mehr als halbieren, wenn sie ihr Geld auf dem Schwarzmarkt tauschen.Das Zauberwort heißt also Export.Den will man künftig kräftig ankurbeln, sind doch auch die Kapazitäten von 200 000 Autos pro Jahr noch lange nicht ausgeschöpft.Den Exportanteil von 20 Prozent im Vorjahr will man dieses Jahr verdoppeln.Noch sorgen derzeit hohe Importzölle auf ausländische Fahrzeuge für einen nahezu abgeschotteten Markt.Eine Akzisensteuer von 2,1 bis 2,3 Ecu pro Kubikzentimeter Hubraum, Zölle und 20 Prozent Mehrwertsteuer summierten sich zu einen Aufschlag von bis zu 100 Prozent.Daß trotzdem eine stattliche Zahl von Luxuskarossen auf usbekischen Straßen unterwegs ist, erklären die Händler mit Absprachen zwischen Zöllnern und Käufern.Hubert Weisslinger und Pierre Schwing, die in Usbekistan ein Mercedes-Händlernetz aufbauen räumen ein, daß "Daewoo hier den Markt im Griff" habe.Doch die schlechten Straßenverhältnisse in Usbekistan würden so manchen stolzen Daewoo-Besitzer heute über sein Auto nachdenken lassen.Solide verarbeitete Fahrzeuge aus dem Ausland hätten deshalb trotz allem ihre Chance.

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