Wirtschaft : Vom globalen Konzern zur Familienfirma Ex-Mercedes-Chef Cordes geht zu Haniel

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Berlin - Der kühle Holsteiner entschied spontan und emotional. Mercedes-Chef Eckhard Cordes folgte seinem Mentor Jürgen Schrempp, der Ende Juli überraschend seinen Abgang zum 31.12. ankündigte. Es wird erzählt, dass Schrempp seinem langjährigen Vertrauten Cordes ursprünglich den Posten des Vorstandsvorsitzenden der Daimler-Chrysler AG versprochen hatte. Doch dann entschieden sich Schrempp und Aufsichtsratsboss Hilmar Kopper für den Chrysler-Chef Dieter Zetsche. Zetsche ist ein Mann der Autos, Cordes ein Mann der Zahlen.

Cordes, der 1976 als Trainee bei Daimler begonnen hatte, schmiss beleidigt hin. Am Mittwochabend berief nun der Aufsichtsrat der Franz Haniel & Cie. GmbH den 55-Jährigen zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Der Mit-Architekt von Schrempps Welt AG leitet also künftig eine Duisburger Familiengesellschaft. Aber nicht irgendeine. Haniel kommt mit sechs Unternehmensbereichen und mehr als 53 000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 24 Milliarden Euro. Der Mischkonzern ist einer der größten Aktionäre des Handelskonzerns Metro und erwirtschaftet den größten Teil des Umsatzes mit dem Stuttgarter Pharmahandel Celesio. Haniel ist seit der Gründung im Jahr 1756 im Besitz der Familie Haniel und gehört derzeit sage und schreibe 550 Gesellschaftern. Der Diplom-Kaufmann Cordes entschied sich für die Duisburger und damit gegen den Einstieg bei einer Private-Equity-Firma.

Bei Daimler hatte er sich vor allem als Controller und Planer einen Namen gemacht. Er war in den 90er Jahren beteiligt am Verkauf von Teilen der AEG und vor allem an der Fusion mit Chrysler, deren geräuschlose Anbahnung und Umsetzung vorzüglich klappte. Als der damalige Chef der Nutzfahrzeugsparte, Dieter Zetsche, im November 2000 von Schrempp als Chrysler-Sanierer nach Detroit geschickt wurde, übernahm Cordes den Lkw- und Bus-Bereich. Im Herbst 2004 wurde Cordes Chef der Mercedes Car Group und machte sich sofort an die Sanierung der unter Qualitätsmängeln leidenden Luxusmarke. Künftig beschäftigt er sich von Duisburg aus mit Pharmazeutika und Rohstoffen. Und Schrempp? Am Freitag nahm er als Vorstandsvorsitzender zum letzen Mal an einer Aufsichtsratssitzung teil. Er will künftig mehr Zeit mit der Familie verbringen, sich verstärkt für Afrika engagieren und womöglich eine eigene Firma führen. alf

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