Wirtschaft : Vom Handelsparkett zum Parketthandel

Die Berliner Börse versteigerte ihren Börsensaal. Der Erlös von 7300 Euro geht an ein Börsenspiel für Jugendliche

Alexander Heinrich

Berlin - Ob es hier noch einmal turbulent zugehen wird? Einst wurde im Berliner Börsensaal auf Zuruf und Handzeichen gehandelt, am Donnerstagabend schloss eine Versteigerung, in deren Mittelpunkt das Parkett selbst stand.

Zehn Tage lang, bis zum Donnerstagabend, konnten Liebhaber und Sammler die Einrichtung des Berliner Börsensaals beim Onlineauktionshaus Ebay ersteigern. Rund 90 Gegenstände kamen dabei unter den Hammer: Garderobenständer, Maklerstühle, italienische Designerlampen oder die Börsenuhr. Sie wechselte als teuerstes Objekt für knapp vierhundert Euro den Besitzer. Das Saalparkett wurde eigens in handliche Quadrate von 30 mal 30 Zentimeter Größe zerlegt und jedes einzelne mit einem Echtheitszertifikat versehen.

Bei einem Berliner Käufer ging die Liebe so weit, gleich 35 Stück zu ersteigern – genug, um in den eigenen vier Wänden ein Börsenparkett zu verlegen. „Natürlich schmerzt das, man hängt ja an der Tradition des Parketthandels“, sagte Marketingexpertin Petra Greif von der Berliner Börse. „Aber es ist nun mal so, dass die Geschäfte nur noch elektronisch abgewickelt werden.“ Der Saal im Berliner Ludwig-Erhard-Haus hatte sich in den letzten Jahren zusehends geleert, im September wurde der Parketthandel eingestellt. Käufer und Verkäufer treffen sich heute nicht mehr persönlich in der Börse. Die Zeiten, in denen sich Makler mit hochgekrempelten Hemdsärmeln über Handzeichen verständigten, sind vorbei. Selbst das Parkett an der Frankfurter Börse hat nur noch symbolischen Wert. In Berlin wird der Handel mit 14 000 internationalen Aktien und 3100 Investmentfonds über Computer abgewickelt – ganz so wie Liebhaber jetzt die Börsentrophäen per Mausklick bei Ebay ersteigert haben. Auch Petra Greif schaute regelmäßig bei der Auktion vorbei. In letzter Sekunde kam ihr jedoch ein anderer Bieter zuvor und schnappte ihr den anvisierten Garderobenständer aus den 70er Jahren für 96 Euro noch weg.

Insgesamt kamen bei der Auktion 7300 Euro zusammen, die dem Kindermuseum des Kinder- und Jugendzentrums FEZ in Berlin Köpenick zugute kommen sollen. Dort freut man sich über die Zuwendung und plant die Mitmach-Ausstellung „Mäuse, Money und Moneten“ um ein Börsenspiel zu erweitern. „Wir sind natürlich überaus glücklich. Das ist eine Summe, mit der man etwas anfangen kann“, sagte Birgit Brüll vom FEZ. Jugendliche sollen in wechselnde Rollen als Händler und Vorstände in die Welt des Börsengeschäfts reinschnuppern, nicht zuletzt, um später als Anleger auf glattem Parkett nicht ins Schlingern zu geraten. Zum Börsenschluss am 29. Dezember wird der Scheck überreicht, bereits Ende Januar ist der erste Testlauf im FEZ geplant.

Und der Börsensaal im Ludwig-Erhard-Haus? Im März wird die MRT-Akademie einziehen, ein Projekt des Deutschen Herzzentrums Berlin. Mit Kernspin- und Computertomografie-Geräten werden sich die Mediziner dann ein Bild vom Körperinneren ihrer Patienten verschaffen. Turbulenzen gibt es dann allenfalls noch in den Magnetfeldern der Geräte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben