Wirtschaft : Vom Kabel befreit

Schnurlose Telefone haben sich zu komfortablen Kommunikationsgeräten entwickelt. Leider sind sie damit auch immer komplizierter geworden

Corinna Visser

TAGESSPIEGEL-SERVICE: PREISWERT TELEFONIEREN ZU OSTERN

Was Handys alles können, das können viele Festnetztelefone inzwischen auch: Mit schnurlosen Geräten kann man sich beim Telefonieren zu Hause frei bewegen, verschiedene Klingeltöne lassen bereits beim Läuten den Anrufer erkennen, sogar kleine Textbotschaften (SMS) kann man empfangen und senden. Telefonnummern braucht man sich nicht mehr zu merken, sie lassen sich im integrierten Telefonbuch speichern. Auch optisch gleichen sich Handy und schnurloses Festnetztelefon immer mehr an. Der Nachteil ist, dass damit die Bedienung des Telefons natürlich auch immer komplizierter wird – jedenfalls wenn man all diese Komfortfunktionen nutzen will.

Daher rät Frank Alleweldt von der Stiftung Warentest, beim Kauf darauf zu achten, dass das Telefon zu einem passt. „Wer all die vielen Extras nicht braucht, sollte das Geld dafür sparen und ein Telefon im klassischen Look und mit den klassischen Knöpfen wählen.“ Auf eine Funktion solle man aber nicht verzichten: „Das integrierte Telefonbuch ist sehr praktisch“, sagt Alleweldt. Wichtig sei zudem, sich das Telefon im Geschäft in funktionsfähigem Zustand zeigen zu lassen. So kann man zum Beispiel die Darstellungsqualität des Displays prüfen.

Wer gern SMS verschicken möchte oder häufig das Telefonbuch nutzt, für den ist außerdem ein großes Display vorteilhaft. Benutzerfreundlich sind zudem beleuchtete Displays und Tasten. „Man sollte auch darauf achten, wie das Telefon in der Hand liegt und dass die Tasten nicht zu klein sind“, sagt Alleweldt. Vergesslichen Menschen rät Alleweldt, ein Gerät mit Paging-Funktion zu kaufen: Ein Knopfdruck auf die Basisstation lässt dann das verschollene Mobilteil klingeln. So kann man es leichter wiederfinden.

Moderne schnurlose Telefone funktionieren auf dem DECT-Standard. DECT steht für „Digital Enhanced Cordless Telecommunication“, also für digitale drahtlose Kommunikation. Sie bestehen aus einer Basisstation und einem – wenn gewünscht auch mehreren – Mobilteilen. Bei einigen Modellen funktioniert die Basisstation auch als Telefon, bei vielen Modellen kann man aber nur mit dem Mobilteil telefonieren. Im Gegensatz zu normalen Festnetztelefonen, die ihren Strom aus der Telefonleitung ziehen, braucht die Basisstation einen separaten Stromanschluss. Schnurlose Telefone funktionieren bei Stromausfall daher nicht.

Die Reichweite der DECT-Telefone beträgt im Freien etwa 350 Meter. In Gebäuden kann man sich mit dem Mobilteil etwa 40 Meter von der Basisstation entfernen, ohne den Anschluss zu verlieren. Die Sendeleistung und die Strahlung liegen deutlich niedriger als bei Handys. Dafür senden die Basisstationen, die immer den Kontakt zum Mobilteil suchen, permanent – auch wenn das Mobilteil friedlich in der Ladestation liegt. Verbraucherschützer empfehlen daher empfindlichen Personen, die Basisstation nicht ausgerechnet neben dem Bett zu platzieren.

Beim Kauf sollte man zudem auf den Akku des Mobilteils achten. Aus Umweltschutzgründen sollte es keine Nickel-Kadmium- Batterie sein. „Ein gutes Telefon hat heute ein Nickelmetallhybrid-Akku (NiMh)“, sagt Alleweldt von der Stiftung Warentest. Beim Test im vergangenen Sommer reichte eine Akkuladung bei manchen Geräten dann für 32 Stunden Dauergespräch. Die Akkus sollten Standardzellen sein, damit man sie einfacher und billiger auswechseln kann.

Testsieger bei Warentest war zuletzt das Siemens Gigaset 4010 Comfort (140 Euro). Auch bei der Fachzeitschrift Connect steht es auf dem Spitzenplatz. Bei den Schnurlosen bis 100 Euro ist das Siemens Gigaset C100 (100 Euro) im gerade erschienenen Mai-Heft Testsieger geworden. Die Tester heben besonders die Freisprecheinrichtung hervor und loben die gelungene Menü-Führung. Testsieger bei den preiswerteren Geräten wurde zuletzt das Grundig BS 3200 (69 Euro). Noch günstiger ist das Sagem WP1130 (49,95 Euro). Hier bemängeln die Tester aber vor allem die schlechte Menüführung.

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