Wirtschaft : Vom Mode-Import zur Risikobeteiligung

HENRIK MORTSIEFER

TAGESSPIEGEL-SERIE: MUT ZUM RISIKO - EXISTENZGRÜNDER IN BERLIN (15): Der Berliner Gründer bmp hilft innovativen Firmen beim Start mit KapitalVON HENRIK MORTSIEFER

Mit T-Shirts hat Oliver Borrmann angefangen.Während des Wirtschafts-Studiums im schweizerischen St.Gallen organisierte der angehende Diplom-Kaufmann nebenbei den Vertrieb italienischer Mode in Deutschland.Die damalige Freundin lieferte den feinen Stoff exklusiv aus Mailand, Borrmann kümmerte sich um den kaufmännischen Teil des Geschäfts."Damals habe ich gelernt, was es heißt, Geschäftsführer zu sein", blickt der 30jährige Unternehmer zurück.Die Erfahrungen aus den "knüppelharten Lehrjahren" eines Jungunternehmers waren für Borrmann das ideelle Startkapital für die Gründung der bmp Management Consultants GmbH, deren Chef er seit 1992 ist.Die Beratungs- und Beteiligungsfirma beschäftigt einschließlich aller Töchter- und Schwesterfirmen heute 27 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 3,5 Mill.DM. "Wir waren wohl die einzige Unternehmensberatung, die anfangs noch T-Shirt-Bestände bilanziert hat", erinnert sich der in Mexiko geborene Wahl-Berliner, der inzwischen am Glastisch in seinem Charlottenburger Büro Platz genommen hat.Nach zwei Jahren Berufspraxis bei einer Münchener Unternehmensberatung zog es Borrmann Anfang der 90er an die Spree.Der Wunsch, selbständig in das Berater-Fach einzusteigen, wurde zügig umgesetzt, mit einem Partner ging Borrmann - zunächst in der Privatwohnung - daran, "weniger Papier und mehr Tatsachen" zu produzieren.Viele Kunden seien überrascht gewesen, als der damals 25jährige "ohne Referenzen und graue Schläfen" auf der Matte stand, um "seriöse, kreative und umsetzungsorientierte" Dienstleistungen an den Mann zu bringen.Aber der Auftritt gelang. Borrmann knüpfte Kontakte zur Industrie, übernahm Aufträge für die Treuhand und half bei der Unternehmensberatung in den neuen Bundesländern.Bald wurden Büros in Prag und Warschau eröffnet.Den entscheidenden Schritt unternahm bmp Ende 1994: Die Berater beteiligten sich mit 10 Prozent an einer kleinen Software-Firma, die Verluste einfuhr, aber ein vielversprechendes Produkt anzubieten hatte."Im ersten Jahr unseres Engagements schaffte die Firma die schwarze Null", beschreibt Borrmann den Einstieg ins Beteiligungsgeschäft. Im Juni vergangenen Jahres stellte er den Geschäftsbereich auf eigene Füße und gründete die bmp Technologie Beteiligungs AG.Aus eigener Erfahrung weiß der Newcomer, daß wenige Existenzgründer über eine angemessene Kapitalausstattung verfügen.Mit der Technologie Beteiligungs AG präsentiert er eine gewagte, aber funktionstüchtige Konstruktion: Das selbst eben gegründete Unternehmen greift Gründern mit Risikokapital unter die Arme.Mit 0,1 bis 2 Mill.DM beteiligt sich die AG an "innovativen Wachstumsunternehmen" aus den Branchen Telekommunikation, Multimedia, Verkehr, Hard- und Software sowie Medizin- und Biotechnologie.Borrmann, der selbst - "aus Prinzip und weil wir es nicht wußten" - keine Fördergelder in Anspruch genommen hat, zapft dabei alle Fördertöpfe an, um das eigene Beteiligungsrisiko zu verkleinern. Behilflich sind dabei Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Deutschen Ausgleichsbank (DtA).So reicht das KfW-Technologie-Beteiligungsprogramm langfristige Refinanzierungsdarlehen an bmp aus, für deren Haftung die Beteiligungsgesellschaft freigestellt ist.Die DtA beteiligt sich zudem über ihre Technologie-Beteiligungsgesellschaft an der Finanzierung, indem sie bmp-Engagements durch eigene haftungsbegrenzte stille Beteiligungen in gleicher Höhe aufstockt.Insgesamt ist die Beteiligungs-AG inzwischen bei Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 65 Mill.DM eingestiegen.Ziel der Beteiligungen ist, den Unternehmen mit einem Gang an die Börse eine breitere Kapitalbasis zu verschaffen.Schritt für Schritt zieht sich bmp dann als Gesellschafter zurück. Der Berliner Gründer hat sich große Ziele gesetzt: "Bis zum Jahr 2000 wollen wir unter den Top 10 der europäischen Beteiligungsgesellschaften sein." In diesem Jahr sollen 35 bis 40 Mitarbeiter für die bmp-Gruppe arbeiten.Für das zweite Halbjahr ist der Börsengang für die Beteiligungs-AG geplant."Als Lokalpatrioten gehen wir in den Berliner Freiverkehr und vielleicht an den Neuen Markt in Frankfurt." Borrmann hat sich auf arbeitsreiche Jahre eingestellt, "eine Belastung, die man als Existenzgründer nicht unterschätzen sollte".

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