Wirtschaft : Vom Paradies für Mieter zur Stadt in Wohnungsnot Im ersten Halbjahr 2011 präsentierte sich Berlins

Immobilienmarkt als Platz der steigenden Preise

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Noch vor wenigen Jahren galt die Spree- Metropole als die einzige deutsche Großstadt, in der man sich auch mit mittlerem Einkommen eine großzügige, sanierte Altbauwohnung in guter Lage leisten konnte. Diese Zeiten sind vorbei und die kommenden werden hart und härter: Im ersten Halbjahr 2011 haben insbesondere die Kaufpreise für Eigentumswohnungen stark angezogen, dies nicht zuletzt auch aufgrund hochwertiger Neubauprojekte. In Berlin verteuerten sie sich um bis zu zehn Prozent. Die Angebotsmieten stiegen im ersten Halbjahr 2011 um rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle Deutschland hervor. Das Berliner Niveau liegt aber nach wie vor weit unter dem anderer Metropolen.

„Die Berliner Mietpreisrallye geht ungebremst weiter“, bilanziert Roman Heidrich, Leiter Residential Valuation Advisory im Berliner Büro des Immobilienmaklers Jones Lang LaSalle: „Überdurchschnittlich haben die Mieten in den bereits teuren Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg zugelegt, aber auch in den vergleichsweise günstigen Bezirken Neukölln und Reinickendorf sind teilweise hohe Mietpreissteigerungen zu beobachten.“ Werden Wohnungen in begehrten Lagen wie Friedrichshain oder Kreuzberg neu vermietet, verlangen die Eigentümer oft saftige Aufschläge. Das treibt auch das Preisniveau des Mietspiegels nach oben, der der Maßstab für Mieterhöhungen bei Altverträgen ist.

„Die Abwanderung aus bestimmten Kiezen ist Realität“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild. Wer dort umziehen möchte oder müsse, finde in derselben Gegend oft nichts Bezahlbares mehr. Was die Mietpreise angehe, sei Berlin „auf dem Weg zu einer normalen deutschen Großstadt“, ergänzt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Der Immobilienverband IVD bittet um Mäßigung in der Diskussion. Es gebe in Berlin keine Mietenexplosion, sondern eine Spaltung des Wohnungsmarktes. Modernisierte Altbauten in Citylagen von Charlottenburg, Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg seien sehr begehrt, die Spitzenmieten lägen dort inzwischen bei 14,50 Euro pro Quadratmeter. Es sei aber auch zu sehen, „dass durch den Zuzug von Menschen mit höherem Einkommen ganze Gebiete aufgewertet werden“, so der Vorsitzende des IVD Berlin-Brandenburg, Dirk Wohltorf. Und: 130 000 Wohnungen in Berlin stünden leer. Das stimme, bestätigt Reiner Wild vom Mieterverein. Doch nur 50 000 davon seien tatsächlich auf dem Markt. Die übrigen seien in schlechtem Zustand oder Spekulationsobjekte. Deshalb gebe es de facto einen Wohnungsmangel in Berlin.

In Berlin bleiben die Märkte hochdynamisch. „Es lohnt sich, weiterhin auf dem Markt für Wohnimmobilien zu investieren. Mieten und Kaufpreise werden sich auch in Zukunft in den Großstädten weiter positiv entwickeln. Auch wenn die Fertigstellungszahlen wie zuletzt wieder zulegen, der Neubedarf kann nicht gänzlich bedient werden und auch die Anzahl der Haushalte steigt weiter schneller als das Angebot“, sagt Andrew M. Groom, Leiter Valuation & Transaction Advisory Jones Lang LaSalle Deutschland.

Laut Halbjahresbericht zum Wohnungsmarkt Berlin 2011 von Jones Lang LaSalle sind in Berlin kleine und große Wohnungen überdurchschnittlich teuer. Im Mittel kosten Wohnungen unter 45 Quadratmeter 7,60 Euro Miete, große Wohnungen 7,50 Euro pro Quadratmeter. Besonders im Bezirk Mitte sind die großen Wohnungen zu finden.

Wohneigentum kann man derzeit noch am preiswertesten in Neukölln erwerben – durchschnittlich 1020 Euro kostet der Quadratmeter. In Reinickendorf ist als einziger Bezirk ein Rückgang der Kaufpreise festzustellen. Hier kosten Wohnungen im Mittel etwa 2,4 Prozent weniger als 2010. Die Analyse der Kaufpreise nach Wohnungsgrößen ergibt eine schwache Nachfrage nach kleinen Wohnungen in Lichtenberg sowie wiederum in Neukölln und Reinickendorf. (mit dpa)

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