Wirtschaft : Vom Passagierflugzeug zur Frachtmaschine

Elbe-Flugzeugwerke rüsten um

DRESDEN (rah).In der Montagehalle der Dresdner Elbe-Flugzeugwerke GmbH fliegen die Funken.Ausgediente Passagiermaschinen machen in dem Dresdner Werk eine Metarmophose zu Frachtflugzeugen durch.Ein großes Frachttor wird in den metallischen Leib des Riesenvogels geschnitten.Der Airbus-Rumpf mißt im Durchmesser mehr als fünf Meter.Das erlaubt den Transport von Standard-Containern und Standard-Paletten. In der riesigen Halle wird parallel an vier Flugzeugen gleichzeitig gearbeitet.Etwa drei Monate dauert die Umrüstung.Im Schnitt haben die Flugzeuge acht bis zwölf Jahre im Verkehrsdienst hinter sich, wenn sie in den Hangar in Dresden-Klotzsche einrollen.Ihre als relativ leise und emissionsarm beschriebenen Triebwerke prädestinieren Airbus-Frachtflugzeuge zum Nachteinsatz im Schnellfrachtdienst. Seit im September ein Großauftrag von mehr als 100 Mill.Dollar für die Umrüstung von 18 Passagiermaschinen in Frachtflugzeuge bei der Daimler-Benz Aerospace GmbH (Dasa) eingegangen ist, scheint die Zukunft des Dresdner Standortes wieder ein Stück sicherer.Dresden ist der einzige Dasa-Standort für die Frachterumrüstung.Der Großauftrag für die Flugzeuge vom Typ Airbus A300B4 kommt von Pinnacle Air Cargo Enterprises (Pace) aus Miami.In ihr sind die Pinnacle Aircraft Leasing, Air Traffic Corporation und die Aerolease International vertreten.Außerdem liegt ein weiterer Auftrag der US-Gesellschaft Federal Express (FedEx) für die Umrüstung von zwei A310-200 zu Frachtflugzeugen vor. Im Vorjahr war von der Dasa beschlossen worden, die Flugzeugumrüstung von Hamburg nach Dresden in die Elbe Flugzeugwerke zu verlegen.Auslösendes Moment war die Fokker-Krise.Dresden hatte die Heckteile der Fokkertypen F70 und F100 hergestellt.Als Fokker bei Daimler-Benz ausgegliedert wurde, drohten Entlassungen.Das konnte durch die Verlagerung abgewendet werden.Die Elbe Flugzeugwerke erwarben die Anerkennung der europäischen und US-amerikanischen Luftfahrtbehörde als Instandsetzungsbetrieb für die Airbus-Typen A310 und A300-600.Die erste A310-200 für die FedEx wurde umgerüstet und im November 1996 übergeben. Die Verlagerung der Umrüstung von Hamburg nach Dresden hat sich in den Augen der Dasa bewährt.Doch den Hamburgern ging es bei der Verlagerung der Frachterumrüstung nicht nur um die Sicherung von Dresdner Arbeitsplätzen und nicht nur um die Lohnkostenvorteile, die es in Dresden erlauben, rund 25 Prozent billiger als an anderen Dasa-Standorten zu produzieren.In Hamburg mußte für die Endmontage der Airbus-Typen A319 und A320 Platz geschaffen werden. Für die Dresdner Elbe Flugzeugwerke hat sich die Frachterumrüstung ausgezahlt.Das Unternehmen schreibt seit 1996 schwarze Zahlen.Der Umsatz soll von 108 Mill.DM 1996 auf voraussichtlich 147 Mill.DM in diesem Jahr wachsen.In der Hauptsache werden in Dresden jedoch die Frachtraumverkleidung und die Fußbodenplatten für die gesamte Airbus-Familie produziert.Daneben läuft die Wartung für Luftfahrzeuge östlicher Bauart.Auch jene TU 154 der Bundeswehr, die kürzlich vor der Küste Namibias ins Meer stürzte, hat das Dresdner Flugzeugwerk durchlaufen.An den Dresdnern soll es jedoch nicht gelegen haben, daß es zu dem Unglück kam. Der Anteil der Frachterumrüstung am Umsatz der Elbe Flugzeugwerke beläuft sich derzeit auf rund ein Viertel, Tendenz steigend.Bei der Daimler-Benz Aerospace GmbH wird in den nächsten 15 Jahren mit einem Markt von 170 bis 200 Flugzeugen gerechnet, die zu Airbus-Frachtern umgerüstet werden müssen.Die Elbe Flugzeugwerke mit ihren 565 Beschäftigten und 31 Lehrlingen seien bis zum Jahre 2000 ausgelastet, heißt es.Doch Eberhard Blobel, der Sprecher der Elbe Flugzeugwerke, mahnt bei solchen Vorhersagen zur Vorsicht.Wie bei der Daimler-Benz Aerospace Airbus in Hamburg zu vernehmen war, ist an eine Ausweitung des Dresdner Standortes zunächst auch dann nicht gedacht, wenn weitere Großaufträge zur Frachterumrüstung ins Haus stehen sollten.

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