Wirtschaft : Vom Reichtum der anderen leben

Studie: Berliner Flughafen kann doch noch zum Osteuropa-Drehkreuz werden

Bernd Hops

Berlin - Der neue Berliner Flughafen BBI hat alle Chancen, ein Erfolg zu werden – wenn die Planer erkennen, wozu ein Flughafen außerdem noch taugt und dieses Potenzial nutzen. Davon ist Stefan Höffinger, Vizepräsident für Zentraleuropa bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney, überzeugt. „Berlin hat ein großes Aufholpotenzial“, sagt Höffinger dem Tagesspiegel.

Die Hauptstadt könne immer noch zum Drehkreuz in Richtung Osteuropa werden. Dass sich bereits Wien, aber auch München ähnlich positionieren, sieht der Unternehmensberater nicht als Problem. Noch gebe es genügend Möglichkeiten. „Man muss es nur jetzt realisieren.“ Bei den osteuropäischen Flughäfen sei in den kommenden Jahren mit zunehmendem Wohlstand auch mit mehr Passagieren zu rechnen.

In einer Studie hat sich A.T. Kearney damit beschäftigt, wie sich die Flughäfen international entwickeln werden. Das größte Wachstum erwarten die Berater in Asien. In Indien und China sollen insgesamt mehr als 100 neue Flughäfen errichtet werden. Aber auch in Europa werden stark steigende Passagierzahlen registriert. So schaffte Berlin-Tegel 2005 im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 4,4 Prozent auf 11,5 Millionen Passagiere. „Die Luftfahrt ist einer der Märkte, bei denen der Gesamtkuchen noch wächst“, sagt A.T. Kearney-Mann Höffinger.

Zwischen Paris und Moskau sei die Hauptstadtregion – mit Ausnahme des Ruhrgebiets – der mit Abstand größte Ballungsraum, sagte Höffinger. „Es gibt nur wenige Flughäfen mit mehr als 20 Millionen Passagieren pro Jahr. BBI geht in diese Richtung.“

Allerdings wird in Berlin heute noch das Geschäft außerhalb des reinen Flugbetriebs vernachlässigt. Pro Passagier werden in den Läden und Bistros gerade einmal 4,10 Euro umgesetzt, in Zürich sind es dagegen im Schnitt 10,20 Euro, in München immerhin 9,70 Euro.

In diesem Bereich – vom zollfreien Einkauf bis zum Frisör – sieht Höffinger das Zukunftsgeschäft der Flughäfen. Durch die Billigflieger ist der Wettbewerb zwischen den großen Flughäfen und regionalen Plätzen angefacht worden. Die Folge waren sinkende Flughafengebühren. Die hätten sich nun weitgehend angeglichen, sagt Höffinger. Nun dürften die kleineren Flughäfen wieder unter Druck geraten, die in der Regel ungünstiger liegen und vor allem mit deutlich geringeren Kosten Fluggesellschaften und Passagiere angezogen haben. „Ein bestimmter Umweg wird von den Leuten in Kauf genommen“, sagt der Flughafenexperte. Die Bereitschaft sei aber nicht unendlich.

Die Landegebühren würden vermutlich nicht wieder steigen. Also müssten die Flugplatzbetreiber neue Einnahmequellen erschließen. Möglichkeiten gebe es viele. In Asien seien hochmoderne Flughäfen entstanden, die ein umfassendes Spektrum an Dienstleistungen bieten. Teilweise gebe es dort Freizeitkomplexe mit Bäderlandschaften. Das, was Kunden aus Asien kennen, würden sie nun auch an europäischen Flughäfen verlangen, sagt Höffinger.

Mit den Einnahmemöglichkeiten steigt auch das Interesse von Investoren an Flughäfen. A.T. Kearney schätzt, dass in den kommenden Jahren ein Beteiligungsvolumen von 30 Milliarden US-Dollar bewegt wird. Darin nicht enthalten sind Investitionen in neue Rollbahnen oder Terminals.

„In den Markt ist Dynamik reingekommen“, stellt Höffinger fest. Unter den großen Investoren sind die australischen Investmentbanker von Macquarie, die sich heute unter anderem schon in Sydney, Brüssel und Kopenhagen eingekauft haben, sowie die spanische Ferrovial, die erst kürzlich die britische BAA übernommen hat und damit zum größten europäischen Flughafenbetreiber aufgestiegen ist. Aber auch vom deutschen Baukonzern Hochtief erwartet A.T. Kearney eine führende Rolle.

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