Von Air Berlin bis Zalando : So war Berlins Börsenjahr

Zwei Stars und viele Abschiede: Zalando und Rocket Internet prägten als Spätzünder das an Höhepunkten arme Berliner Börsenjahr.

von
Der fulminante Börsenauftakt misslang Zalando.
Der fulminante Börsenauftakt misslang Zalando.Foto: p-a/dpa

An so viel Aufregung und Medienrummel waren die Berliner Börsianer gar nicht mehr gewöhnt: 2014 standen gleich zwei Stars der hauptstädtischen Internet- und Start-up-Szene im Rampenlicht des Kapitalmarkts. Am 1. und 2. Oktober wurden die Aktien des Modeversenders Zalando und des Gründer-Finanzierers Rocket Internet zum ersten Mal in Frankfurt gehandelt – und stürzten gleich bei der Premiere ab. Die hohen, von den Newcomern gezielt nach oben getriebenen Erwartungen an einen Kurssprung wurden am ersten Tag enttäuscht.

Doch die Berliner erwiesen sich als Spätzünder. Inzwischen erfreuen sich Anleger der ersten Stunde an Kursgewinnen von 19 und 22 Prozent. Im Rückblick zeigt sich, das Zalando und Rocket den richtigen Zeitpunkt für ihren Gang aufs Parkett gewählt hatten. „Das war sicher Glück, aber für beide optimal“, sagt Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Kurz vor den Berliner Börsenpremieren hatte der chinesische Onlinehändler Alibaba die Rekordsumme von 25 Milliarden Dollar bei Investoren aufgetrieben – der größte Börsengang aller Zeiten machte Anlegern dann Lust auf mehr Technologieaktien. Rocket Internet schaffte immerhin den größten Börsengang Deutschlands in 2014, der Erlös lag bei 1,6 Milliarden Euro.

Zalando zeigt, dass man es schaffen kann

In der Berliner Start-up-Community haben die Börsengänge von Zalando und Rocket noch keine Nachahmer gefunden. Aber: „Die beiden haben mit viel Aufwand gezeigt, dass man es schaffen kann“, sagt Michael Kunert. Weil die meisten Internetfirmen in Berlin klein und unterkapitalisiert seien, werde es aber wohl noch eine Weile dauern, bis wieder eine Börsenpremiere gefeiert werden könne.

Aus einer anderen Wachstumsbranche wagte 2014 ebenfalls ein Berliner Unternehmen den Schritt auf den Kapitalmarkt: TLG Immobilien. Der Konzern, der Büro-, Einzelhandels- und Hotelobjekte in seinem Portfolio hält, startete am 24. Oktober unauffällig. Zum Jahresende können Anleger aber einen Kursgewinn von 16 Prozent verbuchen.

Babelsberg macht den Rückzug

Ein aus Sicht der Anleger ärgerliches Phänomen tritt in Berlin häufiger auf: Viele Unternehmen kündigten 2014 ihren Rückzug von der Börse an oder haben ihn bereits vollzogen. Prominentester Fall: Studio Babelsberg will 2016 seine Aktien einziehen, für 2015 hat die Filmfabrik einen Verlust in Höhe von 2,5 Millionen Euro angekündigt. Die Aktie verlor 2014 gut 46 Prozent. Auch der frühere Neue-Markt- Star Pixelpark (minus elf Prozent) sieht keinen Sinn mehr in einer Börsennotierung, ebenso Magix und Kofler Energies. Für Aktionäre geht die Rechnung in solchen Fällen selten auf, denn die Kurse der Börsenflüchtlinge brechen schon bei der Ankündigung des Rückzugs ein – am Ende steht meist eine kümmerliche Abfindung. Schon vor dem endgültigen Rückzug schotten sich die Firmen meist schrittweise ab – mit einem Wechsel vom stark regulierten Prime Standard in den weniger strengen Entry Standard. SdK-Mann Kunert warnt Anleger deshalb vor einem Investment in kleine Firmen: „Das Risiko, dass sie wieder vom Tableau verschwinden, ist zu groß.“

Für Air Berlin ging es bergab

Verabschieden aus wichtigen Indizes mussten sich in diesem Jahr Air Berlin (minus 32 Prozent) und PSI (minus 7,9 Prozent). Die angeschlagene Fluggesellschaft fiel aus dem Kleinwerte-Index S-Dax, der Software-Dienstleister aus dem Technologie-Index Tec-Dax. Dafür wurde Börsenneuling Zalando in den S-Dax aufgenommen. 2015 muss der Online-Versender zeigen, ob das Geschäftsmodell trägt – und endlich einen Gewinn abwirft.

Die Börse Berlin beschloss das Jahr am Dienstag mit einer „gemischten Bilanz“. Im maklergestützen Xontro-Handel, dem Handelssystem aller deutschen Regionalbörsen, sei der Umsatz um fast 17 Prozent auf neun Milliarden Euro gesunken, teilte die Börse mit. 22 Prozent mehr (45,6 Milliarden Euro) sei hingegen auf Equiduct, dem paneuropäischen Marktplatz, umgesetzt worden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben