Wirtschaft : Von Busen und Filzstiften

Tewe Pannier

„Eine Zensur findet statt“, heißt es am Golf ganz offensiv, wenn es um das Thema Presse geht. Ist es nicht auch besser so? Sorgen unsere weisen Herrscher nicht dafür, dass wir von Schmutz für die Seele und manchen Versuchungen verschont bleiben?

Im Prinzip kann der geneigte Leser ja alles lesen: Internationale Zeitschriften und Magazine, regionale und lokale Tageszeitungen. Diese berichten über das Weltgeschehen aus den gleichen unabhängigen und unzensierten Quellen wie zum Beispiel der Tagesspiegel. Ihre Meinungsseiten sind lebendig, Journalisten und Kommentatoren aller Religionen und Richtungen werden gedruckt.

Trotzdem sind überall Anzeichen der Zensur: In den importierten Ausgaben von „Spiegel“, „Stern“ oder „Bunte“ sind ständig diese schwarzen Balken. Sie überdecken den blanken Busen eines berühmten Models, das primäre Geschlechtsmerkmal eines Mannes, der eine Medizin-Geschichte illustrieren soll. Oder Paris Hilton trägt auf einem Foto in der Klatschspalte statt Schlüpfer einen solchen Balken.

Also sitzen irgendwo in Dubai Männer mit schwarzen Filzstiften und gucken sich die Bilder in internationalen Magazinen an. Diese Vorstellung wirft Fragen auf: Wie schützen sie sich selber vor dem schlechten Einfluss der Busen? Dürfen sie Arbeit mit nach Hause nehmen? Wie sind sie qualifiziert? Jemand, der es wissen muss, gab mir jetzt Antwort zumindest auf die letzte Frage: Der Bewerber, immer ein Einheimischer, bekommt einen großen schwarzen Filzstift und einen, sagen wir, „Spiegel“ ausgehändigt. Er hat 20 Minuten Zeit, dort schwarze Balken anzubringen, wo er glaubt, dass sie hingehören. Der Abteilungsleiter hat sich den gleichen „Spiegel“ angeguckt und, nehmen wir weiter an, 17 „böse“ Stellen entdeckt. Hat der Bewerber diese nicht gefunden, ist er nicht qualifiziert!

Eine wahre Filzstift-Orgie ist in einem deutschen Magazin zu sehen, das eine Doppelseite mit einem alten Gemälde gedruckt hatte: Lauter nackte Engel im Himmel, wohl hunderte von ihnen. Jetzt trägt jedes Engelchen einen schwarzen Balken zwischen den Beinen.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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