Wirtschaft : Von der Hundehütte bis zum Schloss

Viele Deutsche wünschen sich eine eigene Immobilie. Kompetente Makler sind daher immer gefragter. Auch für Quereinsteiger gibt es in der Branche gute Chancen – mit der richtigen Weiterbildung.

Lara Sogorski

Bei fast allen Deutschen steht sie ganz oben auf der Wunschliste: die eigene Immobilie. In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Panelbiz im Auftrag des Immobiliendienstleisters Planethome gaben neun von zehn Befragten an, dass sie sich derzeit ein Haus oder eine Wohnung kaufen würden. Davon profitieren nicht zuletzt auch die Immobilienmakler. Das Berliner Unternehmen Ziegert Bank- und Immobilienconsulting, eines der führenden Maklerbüros in der Hauptstadt, zum Beispiel konnte seine Umsätze im ersten Quartal dieses Jahres um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern.

Immobilienmakler arbeiten in einer sehr lukrativen Branche. Und so ist es kein Wunder, dass immer mehr junge Leute nach einem Ausbildungsplätze bei Maklern, Immobilien- und Wohnungsgesellschaften Ausschau halten. Aber auch für Quereinsteiger ist der Immobilienmakler ein Trendberuf.

„Viele kommen auf dem zweiten Bildungsweg in die Branche“, weiß Sven Johns, Bundesgeschäftsführer des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Etwa 12 000 Maklerbüros mit 15 000 Maklern sind derzeit bundesweit tätig. Sie spüren für Wohnungssuchende die passenden vier Wände auf, bringen die Immobilie eines Verkäufers an den richtigen Mann. Sie setzen dafür Exposés zu den Immobilien auf, in denen sie die Immobilie für Interessenten detailliert beschreiben. Außerdem bestimmen sie deren Marktwert, schalten Zeitungs- und Internetanzeigen und sind später bei den Besichtigungsterminen dabei. Zudem haben sie stets den Markt gut im Auge und kennen sich bestens im Immobilienrecht aus.

Wer per Quereinstieg als Immobilienmakler starten will, sollte nach Meinung vieler Makler im besten Falle aus dem kaufmännischen Bereich kommen, gerne im Vertrieb arbeiten und mit Menschen zu tun haben. Die Arbeit eines Maklers sei nicht zu unterschätzen, mahnt IVD-Bundesgeschäftsführer Johns. Er empfiehlt in jedem Fall einen Lehrgang zu besuchen, um sich kaufmännisches und immobilienwirtschaftliches Fachwissen anzueignen.

Dafür bietet die Europäische Immobilien Akademie, die anerkannte Fachschule des IVD, zum Beispiel einen 120-Stunden Grundkurs für derzeit noch 1190 Euro an. Im Modul „Geprüfter Immobilienmakler/in“ steht das Praxiswissen im Vordergrund. Die Unterrichtsstunden finden je nach Standort in Wochen- oder Wochenendblöcken statt, die sich mit praktischen Phasen abwechseln. Gelernt wird dabei in Kleingruppen von zehn bis 30 Teilnehmern.

Eine andere Möglichkeit der berufsbegleitenden Ausbildung gibt es beim Forum Berufsbildung in Berlin. Das Seminar „Geprüfte Immobilienfachwirtin/ Geprüfter Immobilienfachwirt (IHK)“ dauert 17 Monate, findet einmal in der Woche als Präsenzunterricht und zusätzlich als E-Learning-Kurs statt. Am Ende steht eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer an. Die Kosten liegen bei rund 3198 Euro plus Prüfungsgebühr.

Zusätzlich zu einem theoretischen Lehrgang empfiehlt Andreas Koch vom Forum Berufsbildung ein Praktikum über mehrere Monate. „Sonst hat man kaum eine Chance später Fuß zu fassen“, sagt er. Dabei lohne es, sich weniger bei großen Anbietern zu bewerben als vielmehr bei Maklerbüros, die vielleicht auf den ersten Blick unbekannt scheinen. „Dort bekommt man oftmals einen viel authentischeren Einblick in die Kundenbetreuung.“

Das „Reco Immobilienbüro Petra Hubertus“ besteht mittlerweile seit mehr als elf Jahren. In Berlin-Mitte arbeitet die Inhaberin Petra Hubertus zusammen mit fünf festangestellten Mitarbeiterinnen in einem kleinen Büro. Früher arbeitete die heute 48-Jährige als ausgebildetete Waldorf-Kindergärtnerin in Berlin Kreuzberg. Vor 14 Jahren wurde die alleinerziehende Mutter aber von ihrem damaligen Arbeitgeber betriebsbedingt gekündigt. Plötzlich war sie arbeitslos. In einem Waldorfkindergarten wollte sie nie wieder arbeiten.

Durch einen Zufall kam sie in einer Kneipe mit anderen Gästen über den Beruf des Maklers ins Gespräch. Mit diesem Berufsbild hatte sich die Waldorfkindergärtnerin bis dahin noch nie befasst. Aber eine neue Idee war geboren. Doch es fehlte der Kindergärtnerin bis dahin das Fachwissen rund um die Immobilie. Durch eine Umschulung beim Forum Berufsbildung und mit Unterstützung des Arbeitsamtes konnte sie ihren Traumberuf realisieren. „Eine solche Umstellung verlangt viel Fleiß und Disziplin. Ohne äußere Zwänge geht man einen solch großen Weg nicht an“, sagt sie.

Wer als Quereinsteiger lieber unter dem Dach einer bereits bestehenden Immobilienfirma arbeiten will, kann sich beispielsweise an das Franchiseunternehmen „Re/Max“ wenden. Hier bekommt jeder Neueinsteiger eine hausinterne Schulung, die sich grob in vier Abschnitte unterteilt.

Das Training beginnt mit einer Praxisphase im Büro eines Maklers, es folgen eine Intensivschulung über eine Woche sowie anschließend noch einmal zwölf Wochen im Büro. Dann steht eine Prüfung an, die noch einmal mit einem 90-Tage Detailtraining gekrönt werden kann. Kosten fallen nur für das Intensivtraining an in Höhe von 490 Euro.

Auch im Fernstudium ist es möglich, sich zum Immobilienmakler weiterbilden zu lassen. Informationen dazu gibt es zum Beispiel bei den vier großen Anbietern Institut für Lernsysteme (ILS), Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD), Fernakademie Klett (FEB) und Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF). So ein Fernstudium dauert in der Regel zwölf Monate bei einer Arbeitszeit von acht bis zehn Stunden pro Woche und kann jederzeit gestartet werden.

Übrigens: Für Leute, die bereits mehrere Jahre praktische Erfahrung im Maklergeschäft haben und einen anerkannten Nachweis über ihre erworbenen Fähigkeiten wünschen, hat die Industrie- und Handelskammer eine Lösung. Über die so genannte externe Zulassung zur Abschlussprüfung kann jeder auch ohne dreijährige Ausbildung einen IHK-Abschluss erreichen, wenn Belege der Praxiserfahrung vorliegen und natürlich die Prüfungsantworten stimmen.

Um dann am Ende als Immobilienmakler erfolgreich zu sein, zählt neben einer fachlichen Qualifikation hohes Engagement. „Der Wettbewerb im Maklergeschäft ist groß. Als Makler muss man sich auch immer etwas einfallen lassen, beispielsweise eine kreative Immobilienanzeige, um sich am Markt zu behaupten“, sagt Sven Johns vom IVD. Wer von seiner Arbeit leben wolle, müsse im Jahr mindestens zehn bis zwölf Immobilien an einen Käufer vermitteln, bei einer Provision von fünf bis sechs Prozent.

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