Wirtschaft : Von der Quelle bis zum Tank

Bernd Hops

Autofahrer, die vergangene Woche eine Tankstelle ansteuern mussten, wurden Zeuge eines historischen Moments. Nach einer Preisrunde der meisten Konzerne kostete ein Liter Superbenzin zwischenzeitlich so viel wie noch nie in Deutschland: Im Schnitt waren 1,23 Euro für Markenkraftstoff fällig. Zur gleichen Zeit kostete Rohöl in New York etwa 54 US-Dollar je Barrel (159 Liter) – deutlich weniger als bei den historischen Höchstmarken von fast 60 Dollar. Waren die Rekordpreise an den Tankstellen also eine Abzocke der Konzerne?

Öl- und Benzinpreis hängen nur bedingt direkt zusammen. Beide werden in unterschiedlichen Währungen gehandelt. Leitwährung an den Ölbörsen ist der Dollar, an einer deutschen Tankstelle wird in Euro abgerechnet. Da dieser zuletzt gegenüber dem Dollar deutlich an Wert verloren hat, wird es für die Konzerne teurer, den für das Benzin benötigten Rohstoff – das Erdöl – auf den internationalen Märkten einzukaufen. Das heißt: die Ölnotierungen an den Börsen können zurückgehen – wenn der Euro aber noch stärker fällt, dann steigen trotzdem die Preise an den Tankstellen. Mitte März war ein Euro noch 1,35 Dollar wert, derzeit sind es etwa 1,21 Dollar – ein Verlust von gut zehn Prozent. Ein Liter Super kostete im März wiederum im Monatsdurchschnitt etwa 1,15 Euro, heute sind es rund sieben Prozent mehr.

Doch selbst wenn die Währungkurse nicht geschwankt hätten, kann die Entwicklung beim Ölpreis nur von der Tendez her auf den Benzinpreis übertragen werden. Denn der Staat kassiert je Liter unverbleitem Kraftstoff schon allein rund 0,65 Euro an Mineralölsteuer – und zwar als festen Wert, egal wie viel Öl kostet. Wenn aber nur weniger als die Hälfte des aktuellen Benzinpreises tatsächlich von den Kosten für den Rohstoff Öl und für dessen Verarbeitung abhängen, dann dürfte die Preisentwicklung grob gerechnet auch nur mit halber Stärke auf den Endpreis durchschlagen. Tatsächlich war das Verhältnis seit März bis heute aber eins zu eins.

Also doch Abzocke? In den ersten Monaten des Jahres sind laut Branchenexperten viele Tankstellen in die roten Zahlen gerutscht, weil sie ihre eigenen gestiegenen Kosten im Wettbewerb nicht sofort komplett an die Kunden weitergeben konnten. Das haben sie in den vergangenen Wochen nachgeholt.

über den Zusammenhang von Öl- und Benzinpreis

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