Wirtschaft : Von der Richterrobe bis zum Aktenschrank

SIGRUN SCHUBERT

Berliner gründen Rundum-Service für Juristen / Eigenes Geschäft in der MommsenstraßeVON SIGRUN SCHUBERT BERLIN.Eine kleine Meldung im Berliner Anwaltsblatt war der Zündfunke: "Das ist unsere Chance", sagten sich Michael Wippold und Gerhard Albrecht.Von da an wurde die Vorstellung vom eigenen Unternehmen immer konkreter.Albrecht kündigte seinen Job, Wippold - damals schon selbständig - konzentrierte seine Kräfte auf das neue Projekt.Gemeinsam fuhren sie mit dem Wagen durch die Stadt und suchten geeignete Geschäftsräume, brachten das nötige Kapital aus Eigenmitteln zusammen und firmierten schließlich als Renoservice GmbH.Vor gut sechs Monaten hatten die beiden Männer ein wichtiges Etappenziel erreicht: Sie eröffneten ihr eigenes Geschäft in der Mommsenstraße. "Wir wollen Anwälte und Notare rundum betreuen und alle Bedürfnisse nach Einrichtung und Ausstattung abdecken, die in einer Kanzlei entstehen", umschreibt Wippold das Geschäftskonzept.Neu ist die Idee eigentlich nicht.Bisher hatte der ehemalige Arbeitgeber Albrechts und jetzige Konkurrent, die Hans Soldan GmbH, diesen Markt besetzt.Im Zuge einer Neuausrichtung schloß das Unternehmen seine Filiale in Berlin und konzentriert sich stärker auf das Versandgeschäft.Solche Branchennews werden natürlich im Anwaltsblatt gemeldet - für Albrecht und Wippold waren sie der Anstoß zur Selbständigkeit."Wir glauben, daß in dieser Marktnische noch unheimliches Potential besteht", sagt Albrecht. Rund 5000 Artikel - vom Locher über Quittungsblock, Aktentasche, Kaffeekanne und Robe bis zum Aktenschrank - bieten die Berliner in den Geschäftsräumen und per Katalog an.Das reine Verkaufen ist allerdings nur ein Teil ihres Geschäfts.Vorrang haben Service und Beratung.Deshalb verstehen sich die Berliner selbst als Dienstleister.Bei einem so weitreichenden Konzept ist es nur logisch, daß sich die Unternehmer nicht allein auf Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände konzentrieren.Zwischen Briefpapier, Stempelkissen und Fachbüchern steht deshalb ein Computer mit Internetzugang."Wer möchte, kann sich hier Informationen zu juristischen Themen aus dem Internet ziehen", erklärt Wippold.Mit dem Mini-Internet-Café will er Berührungsängste mit den neuen Medien abbauen."Hier kann jeder mal klicken, ohne sich direkt vor seiner Sekretärin zu blamieren", schmunzelt er.Zusätzlich gibt es Informationsveranstaltungen zu Themen wie: "Der Euro kommt - was ändert sich für Sie" oder "Folgenreich, unnötig, überflüssig - häufige Haftpflichtfälle im Notariat". Die Unternehmensgründer sind von der Tragfähigkeit ihrer Idee überzeugt.Sie bauen dabei auf die Erfahrungen, die beide in der Branche gesammelt haben.Wippold, Unternehmer aus Ost-Berlin, recherchierte seit der Wende vermögensrechtliche Fragen zu ungeklärtem Eigentum.Dabei knüpfte er eine ganze Reihe von Kontakten zu Rechtsanwälten und Notaren.Und traf schließlich bei einem Kongreß für Juristen auf Albrecht, der selbst 25 Jahre beim jetzigen Konkurrenten Soldan gearbeitet hat. Neben der Erfahrung ist die Geschäftslage zwischen Landgericht Berlin und Amtsgericht Schöneberg ein wichtiger Pluspunkt für die beiden Unternehmer."Zwei Drittel der Berliner Anwälte haben ihre Praxen in dieser Gegend", sagt Wippold."In der Mittagspause können sie leicht bei uns vorbeischauen." Bescheiden sind die Gründer auf keinen Fall: "In diesem Jahr wollen wir einen Umsatz von 2,5 Mill.DM erreichen", steckt Albrecht das Geschäftsziel ab.In den vergangenen vier Monaten habe sich der Umsatz bereits verfünffacht.Das Erstaunliche: Ein großer Teil der Kunden bestellt aus dem süddeutschen Raum."Damit sind wir stärker im Versandhandel, als wir es geplant hatten", sagt Wippold.Für die Unternehmer ist das die beste Bestätigung: "Wir können uns sogar vorstellen, uns mittelfristig bundesweit zu etablieren", hofft Wippold.Zunächst muß der sogenannte Infoladen an der Mommsenstraße allerdings den ersten Geburtstag überstehen.

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