Wirtschaft : Von der Ruhrkohle zur RAG: Technologie statt Bergbau

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Berlin (fo). Unter ihrem neuen n ist sie kaum wieder zu erkennen, die alte Ruhrkohle AG. Heute heißt sie nur noch kurz RAG. Mit der Namensänderung und dem Umzug in ein modernes Verwaltungshochhaus gegenüber dem Essener Hauptbahnhof dokumentiert das ehemals reine Bergbauunternehmen seinen Wandel zum Technologiekonzern auch nach außen. Noch arbeiten die meisten der 87 500 RAG-Mitarbeiter im Bergbau. Mit der geplanten Übernahme des Spezialchemiekonzerns Degussa wird sich das Kräfteverhältnis endgültig verschieben.

Gegründet wurde die Ruhrkohle AG 1969 inmitten der ersten großen Bergbaukrise des Nachkriegs-Deutschland. Damals gab es an der Ruhr Dutzende von Bergwerksgesellschaften, teilweise unter der Regie großer Konzerne. Selbst der Chemieriese BASF betrieb eine eigene Steinkohlenzeche. Bergwerke mussten geschlossen werden, weil die Deutschen mit ihren Preisen gegen Importkohle und andere Energieträger wie Erdöl und Gas nicht mehr wettbewerbsfähig waren und weil einer der großen Abnehmer, die Stahlindustrie, ebenfalls Not litt. So wurden unter dem Dach der Ruhrkohle alle Zechen gebündelt. Die komplizierte Aktionärsstruktur besteht bis heute: Eon (ehemals Veba) ist mit 37,1 Prozent größter Gesellschafter, gefolgt von RWE (30,2 Prozent) und Thyssen Stahl (12,7 Prozent) sowie weiteren Aktionären.

Unter Führung der RAG steht seit zwei Jahren die Deutsche Steinkohle AG, die den Rest-Bergbau mit zehn Zechen an Saar, Ruhr und in Ibbenbüren zusammen fasst. Heute sind noch knapp 52 000 Menschen im Bergbau beschäftigt, 2005 sollen es nur noch 36 000 sein. Der Steinkohlenabbau wird seit Jahrzehnten subventioniert. Bund und Land NRW wollen den Bergbau langsam auslaufen lassen. Mit der EU ist ein Kompromiss über die staatliche Förderung vereinbart: Zwischen 1997 und 2005 dürfen rund 35 Milliarden Euro Staatshilfe fließen. Die RAG selbst muss aus anderen Geschäftssparten jährlich 100 Millionen Euro beisteuern.

Die RAG betreibt inzwischen auch international Steinkohle-Zechen und Kraftwerke. Dass darüber hinaus der Kunststoffspezialist Rüttgers sowie weitere Firmen wie Steag Hamatech – einer der weltweit führenden Hersteller von Anlagen zur Produktion optischer Speichermedien wie CDs – zur RAG-Gruppe gehört, ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt.

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