Wirtschaft : Von der Schwierigkeit, Chinesen abzufüllen

Die großen Brauereikonzerne liefern sich harte Bieterkämpfe um den größten Markt der Welt

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Die beiden größten Bierbrauer der Welt liefern sich in China ein Kopfan-Kopf-Rennen. Die amerikanische Anheuser-Busch und ihr südafrikanischer Konkurrent SAB Miller, buhlen um die Harbin Brewery, die viertgrößte Brauerei Chinas.

Anheuser-Busch gab Anfang Mai bekannt, 29 Prozent der Harbin-Aktien erworben zu haben. Noch stehe allerdings die Zustimmung des chinesischen Staates aus. Wenige Tage später reagierte SAB Miller und machte ein höheres Gebot für alle Harbin-Aktien. Der südafrikanische Konzern, der ebenfalls mit 29 Prozent an Harbin beteiligt ist, bot umgerechnet 0,46 Euro pro Aktie. Darauf schnellte der Kurs der an der Hongkonger Börse notierten Harbin Brewery in die Höhe.

Der Kampf um die chinesische Brauerei macht deutlich, dass China für ausländische Unternehmen immer wichtiger wird. Multinationale Konzerne wollen die niedrigen Zuwachsraten auf ihren Heimatmärkten durch ein gutes Geschäft in China wettmachen. Immerhin ist der chinesische Markt der größte Biermarkt der Welt, was das Volumen betrifft.

Der Weltmarktführer Anheuser-Busch steht unter besonders starkem Druck. Der US-Konzern verpasste kürzlich die Chance, nach Lateinamerika zu expandieren. Dabei ist die Region einer der wenigen Biermärkte mit Wachstumspotenzial. Stattdessen zog in Lateinamerika Interbrew an Anheuser-Busch vorbei: Das belgische Unternehmen fusionierte mit der brasilianischen Brauerei Companhia de Bebidas das Americas (AmBev).

Obwohl SAB Miller im internationalen Geschäft weniger Nachholbedarf hat, will das Unternehmen sein China-Geschäft ausbauen. Bisher sei der chinesische Pro-Kopf-Verbrauch von Bier relativ niedrig, sagt Andre Parker, der bei SAB Miller das Asiengeschäft verantwortet. Doch er rechne damit, dass der Markt stark anziehen werde. „Jeder, der international mitspielen will, muss auf den chinesischen Markt“, sagte er.

Was auf dem chinesischen Biermarkt passiert – der brutale Wettbewerb und in Folge eine Konsolidierung – wird auch in vielen anderen Branchen geschehen. Ausländische Unternehmen können heute leichter als früher chinesische Firmen übernehmen. Nachdem China der WTO beitrat, musste es seinen Markt stärker öffnen. Ausländische Konzerne machen vom größeren Spielraum bei Akquisitionen gern Gebrauch. Für sie ist es billiger, eine chinesische Firma zu übernehmen, als eigene Marken und Vertriebskanäle aufzubauen, meinen viele Unternehmen.

Die Übernahmewelle hat schon begonnen. Vom Übernahmekampf um die Harbin Brewery einmal abgesehen, haben sich große Bierkonzerne wie Heineken und Interbrew an weiteren chinesischen Brauereien beteiligt. Im Dezember hat der französische Kosmetikkonzern L’Oreal einen chinesischen Hersteller von Hautpflegeprodukten gekauft, um Zugang zu den Geschäften in kleineren Städten zu erhalten. Gillette hat die Aktienmehrheit an dem Batteriehersteller Fujian Nanping Nanfu Battery mit seinen vielen Geschäften erworben.

In mancherlei Hinsicht ist die Übernahmeschlacht um Harbin typisch für die Probleme, mit denen ausländische Investoren in China zu kämpfen haben. Viele chinesische Unternehmen sind im Besitz des Staates – zumindest teilweise. Das kann die Übernahme enorm erschweren, weil immer neue Probleme auftauchen und sich die Verhandlungen hinziehen.

Im Fall Harbin Brewery etwa hat die Stadtregierung von Harbin im März ihre 29-prozentige Beteiligung an ein Unternehmen verkauft, das auf den British Virgin Islands registriert ist. Der Eigentümer der Firma ist unbekannt. Anheuser-Busch hat erklärt, es habe dieses Aktienpaket gekauft. Doch der Verkauf des Aktienpaketes von der Stadtregierung Harbin an das Unternehmen auf den British Virgin Islands wurde von einer höheren staatlichen Instanz nicht genehmigt. Deswegen ist es fraglich, ob Anheuser-Busch wirklich Miteigentümer der Harbin Brewery werden kann.

– Die Texte wurden übersetzt und gekürzt von Tina Specht (VW), Karen Wientgen (China) Matthias Petermann (OECD), Svenja Weidenfeld (Indien) und Christian Frobenius (Irak).

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