Von Ikea zu Karstadt : Schwedin Eva-Lotta Sjöstedt als letzte Hoffnung

Neue Chefin: Der Karstadt-Aufsichtsrat überträgt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt die Leitung von 83 Warenhäusern. Die Schwedin ist für die marode Kaufhauskette die letzte Chance.

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Neues Gesicht. Eva-Lotta Sjöstedt tritt ihren Posten bei Karstadt am 24. Februar an.
Neues Gesicht. Eva-Lotta Sjöstedt tritt ihren Posten bei Karstadt am 24. Februar an.Foto: Sebastiaan Westerweel

In Schweden sprechen sie von ihr nur als Eva-Lotta. Eine Vertraute, eine Sympathieträgerin. Wie die berühmte Eva-Lotta aus Astrid Lindgrens „Kalle Blomquist“: Die selbstbewusste Bäckerstochter, die sich mit den Jungs in Abenteuer stürzt. Ohne deren nüchternen Blick auf die Dinge wohl so manches Rätsel ungelöst geblieben wäre in der Karriere des Meisterdetektivs. Einen kühlen Kopf und Abenteuerlust hat die Eva-Lotta, die jetzt Karstadt retten soll, auch schon mehrfach bewiesen. 2005 ging sie für den schwedischen Möbelkonzern Ikea nach Yokohama, um den Japanern Billy und Ektorp näher zu bringen. Ein Unterfangen, an dem zuvor mehrere Männer gescheitert waren. Mittlerweile gibt es acht bestens besuchte Ikea-Standorte in Japan. 2012 bot man ihr die weltweite Verantwortung für das Multi-Channel-Geschäft des Unternehmens an, die Verknüpfung des Filialhandels mit Online. Couchgarnituren und Betten im Internet verkaufen? Keine einfache Aufgabe. Eva-Lotta Sjöstedt sagte zu.

Bei Karstadt wird sie, so hat es der Aufsichtsrat am Mittwoch entschieden, nun der sechste Chef der Warenhauskette binnen gerade mal zehn Jahren. Richtiger gesagt die erste Chefin. Das Kaufhaus, das deutlich mehr Kundinnen als Kunden und Mitarbeiterinnen als Mitarbeiter zählt, stand noch nie unter weiblicher Führung. Am 24. Februar soll nun die Schwedin ihr Amt antreten. Einfühlungsvermögen, mehr noch, Warmherzigkeit attestieren ihr frühere Weggefährten. Aber zupacken, ja, das könne sie auch.

Mitarbeiter stärker einbinden

Sehr froh sei man, mit Sjöstedt eine Top-Managerin gewonnen zu haben, die bereits schwierige Situationen gemeistert habe, erklärte Aufsichtsratschef Stephan Fanderl bei der Bekanntgabe am Mittwoch. Sjöstedt selber betonte in einer ersten Stellungnahme, es sei ihr wichtig, die Beschäftigten bei der Neuausrichtung des Warenhauses mitzunehmen. „Ich bin der uneingeschränkten Überzeugung, dass man ein Unternehmen über seine Mitarbeiter aufbaut.“ Karstadt brauche „das Maximum an Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen“. Und darum Zusammenhalt, ein Familiengefühl. Karstadt – das Zuhause deines Lebens?

Dass sie verheiratet ist, Schwedisch, Englisch und Dänisch spricht, aber kein Deutsch, geht aus ihrem Profil in dem Internet-Karriere-Netzwerk Linked-In hervor. Kommt da nach Andrew Jennings wieder jemand, der seine Ansprachen an die langjährigen Mitarbeiter der urdeutschen Institution übersetzen lassen muss? Der Engländer habe dadurch nie echte Nähe zur Belegschaft herstellen können, urteilten Beobachter. Mitarbeiterentwicklung aber zählte zu Sjöstedts Hauptaufgaben während einer dreijährigen Station bei Ikea in den Niederlanden.

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