Wirtschaft : Von Mäusen und Management

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Mit Phantasie ist der WaltDisney-Konzern groß geworden. Doch ausgerechnet vom Realitätssinn des Konzernchefs Michael Eisler hängt der Ausgang der Übernahmeschlacht ab. Der Kabelnetzbetreiber Comcast hat vor eineinhalb Wochen überraschend ein Übernahmeangebot für Disney gemacht. Eisler hat es bisher abgelehnt, mit Comcast zu verhandeln. Doch nur wenn er sich der Realität des Shareholder Value stellt, wird er die feindliche Übernahme abwehren können.

Der Übernahme-Krimi erinnert daran, dass eine gute Unternehmensführung am besten durch einen freien Markt für Unternehmenskontrolle gewährleistet wird. Ein Übernahmeangebot bedeutet für die Aktionäre Geld (oder in diesem Fall Comcast-Aktien). Eisner wird die Aktionäre überzeugen müssen, dass er ihnen mehr davon verschaffen kann als Comcast.

Die Aktionäre fahren nun seit 20 Jahren Achterbahn mit Eisler und einige wollen ihn los werden. Während der Konzernchef Hunderte Millionen Dollar verdiente, stagniert der Konzerngewinn seit zehn Jahren. Der Aktienkurs stand kürzlich dort, wo er vor sechs Jahren war. Eisner hat es nicht geschafft, den glanzlosen Disney-TV-Kanal ABC wiederzubeleben. Und es ist ihm anzulasten, dass die lukrative Zusammenarbeit mit dem innovativen Trickfilmstudio Pixar beendet wurde.

Die Frage ist nun, ob die Disney-Führung den Aktionären das letzte Wort überlässt. Die Führung könnte die Dinge komplizierter machen. Wenn sie die Übernahme-Offerte ablehnt, wäre eine 80-Prozent-Mehrheit der Aktionärsstimmen erforderlich, damit Disney in Comcast-Hände übergeht.

Wie auch immer der Übernahme-Krimi endet – die Offerte von Comcast für Disney macht deutlich, dass allein die reine Androhung einer Übernahme einem Unternehmen nutzen kann. Selbst wenn die Disney-Führung den Übernahmeversuch abwehrt, sie wird die Missstände im Unternehmen angehen müssen. Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen, bei denen Aktionäre großen Einfluss haben, erfolgreicher sind. Es ist daher zu hoffen, dass die Disney-Manager zunächst ihre Bosse – nämlich die Aktionäre – entscheiden lassen, von wem sie das Unternehmen geführt sehen wollen. Wenn das geklärt ist, kann Disney daran arbeiten, den Erfolg von früher wiederzuerlangen.

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