Wirtschaft : „Von Siemens geheuert – von Nokia gefeuert?“

Beschäftigte protestieren in Berlin und München gegen den Stellenabbau. Der Betriebsrat will verhandeln

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Berlin - Die Stimmung war schon mal besser am Siemensdamm. Frust ist den Gesichtern der Beschäftigten abzulesen, die sich am Dienstagmorgen zur Protestkundgebung vor dem Berliner Konzernsitz versammelt haben. Knapp 2000 Teilnehmer sollen es sein, sagen die Veranstalter, der Betriebsrat und die IG Metall. Noch einmal 1200 machen ihrem Ärger zeitgleich in München Luft.

„Von Siemens geheuert – von Nokia gefeuert?“ steht auf einem der mitgebrachten Plakate. Gerade mal einen Monat ist es her, dass der deutsche und der finnische Technologiekonzern den gemeinsamen Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) gegründet haben. Jetzt geht es um den Abbau von 9000 Stellen, davon allein 2900 in Deutschland. Bei insgesamt 13 000 Arbeitsplätzen ist damit hierzulande fast jeder Vierte betroffen. Konkurrenzfähiger will NSN mit diesen Einsparungen werden, heißt es aus der Konzernleitung.

„Wenn ein Unternehmen gleich zu Anfang einen solchen Imageverlust herbeiführt, trägt das kaum zur Konkurrenzfähigkeit bei“, kontert IG-Metall-Sprecher Klaus Abel, dessen Worte über das Betriebsgelände am Siemensdamm hallen. Ähnliches hört man von den Beschäftigten. „Es herrscht Angst im Betrieb“, sagt ein 36-jähriger Techniker, der im Vertrieb als Prüfer arbeitet. „Ein gesundes Unternehmen sollte nicht so mit seinen Mitarbeitern umspringen.“ Ein 50-jähriger Software-Entwickler fügt hinzu: „Wir haben genug zu tun hier, ich verstehe nicht, warum Personal eingespart werden muss.“

Wie sich der Abbau auf die Standorte verteilen wird, wissen bislang weder der Betriebsrat noch die Gewerkschaften. Georg Nassauer, bei Siemens Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, betont, man wolle der Konzernleitung mit einer „Politik der offenen Hand“ begegnen. Derzeit warte man auf Angebote und genaue Zahlen, zusätzlich wolle man von externen Beratern feststellen lassen, wie viel Stellenabbau wirklich nötig sei. Der hohe Zulauf der Kundgebung, sagt Nassauer, habe der Firmenführung aber hoffentlich klargemacht, „dass sie es hier mit einer sehr selbstbewussten Belegschaft zu tun hat, die sich nicht alles gefallen lässt“. müh

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