Wirtschaft : Von Stabilität ist die europäische Währung weit entfernt (Kommentar)

Jobst-Hinrich Wiskow

Eine "großartige Stabilitätsperformance" bescheinigt Bundesbank-Präsident Ernst Welteke dem Euro. Diese Bilanz überrascht: Schließlich hat der Euro in seinem ersten Jahr dramatisch an Wert verloren. Sein Kurs sackte seit dem Start von fast 1,18 Dollar auf 1,01 Dollar. Dieses Misstrauensvotum der Märkte beweist nicht gerade Stabilität. Dabei hat Welteke Recht, was die innere Stabilität der Währung betrifft. Gemessen an der Inflation nämlich, hat die neue Europäische Zentralbank mit ihrer Geldpolitik richtig gelegen. Sie hat die Zinsen einmal gesenkt und einmal erhöht, es also bei der ruhigen Hand der Bundesbank belassen. Sie hat mit der Zinserhöhung ihren ersten Härtetest bestanden. Die neue Zentralank gibt der inneren Geldwertstabilität Vorrang. Das ist ihre Aufgabe. Trotzdem bleibt der Verfall des Wechselkurses ein Problem für den Euro und für die Menschen im Euroraum. Zwar freut sich die heimische Industrie darüber, dass ihre Waren auf den ausländischen Absatzmärkten billiger werden. Aber die Verbraucher müssen auf längere Sicht mit höheren Preisen von Produkten aus dem Ausland rechnen. Fachleute sprechen von der importierten Inflation. Dieses Phänomen könnte die Europäische Zentralbank zwingen, schnell zu handeln, auch um die innere Stabilität des Euro zu sichern. Das Risiko höherer Preise liegt auf Grund des Kursverfalls viel näher, als der Bundesbank-Präsident glaubt - oder zumindest zugeben mag. Von einer großartigen Stabilitätsperformance zu sprechen, ist deshalb gewagt. Welteke hätte die Chance gehabt, auf den Grund der Schwäche hinzuweisen - das könnte den Euro bald wieder stärker machen. Die Europäische Zentralbank nennt die Gründe regelmäßig: Est ist die Haushaltspolitik der Staaten im Euroraum, die den Euro schwächt. Die großen Länder geben zu viel Geld aus - trotz des rot-grünen Sparkurses in Deutschland. Dieser reicht noch nicht, um Vertrauen der Märkte zu schaffen.

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