Wirtschaft : Von Tür zu Tür

Tewe Pannier

Um 9 Uhr 07 fliegt die Bürotür auf. Die Wasserbande kommt. Ohne Klopfen stürmen zwei Mann in blauer Uniform rein, donnern zwei 20-Liter-Plastikflaschen für den Wasserspender auf den Boden, kassieren umgerechnet vier Euro und eilen grußlos raus. Bestellt hatte sie niemand. Zehn Minuten später öffnet sich die Tür behutsam, ein bärtiger Fremder mit Gel in den schwarzen Haaren fragt: „Büroartikel?“ Um 9 Uhr 20 das erste Team einer Bank: „Diese Kreditkarte verschafft Ihnen freien Eintritt in Wartebereichen auf allen Flughäfen im Nahen Osten – inklusive Snacks und Getränken.“

Verkaufen, verkaufen, verkaufen! Für die Tür-zu-Tür-Vertreter sind die unermüdlich wachsenden Bürotürme in der Wüste nichts als Vertriebsfläche. Die jungen Männer arbeiten die Türme mit System ab, gehen von Stockwerk zu Stockwerk, von Büro zu Büro. 11 Uhr 10: Zwei Iraner erläutern leidenschaftlich, warum wir die offizielle Wirtschaftszeitung aus Teheran abonnieren müssen. Einer hält die Zeitung hoch. Mein Einwand, dass ich das nicht lesen kann, wird mit einem flinken Umdrehen der Zeitung und einem breiten Lächeln weggewischt: „Auf der Rückseite steht alles auf Englisch.“

Den ganzen Tag lang höflicher Besuch. James aus Indien preist Möbel an. „Sandwiches!?“, fragt ein junger Mann aus Sri Lanka mit Schiebermütze. „Konkurrenzlose Preise für weltweite Kuriere!“, bietet ein langer Pakistani. „Pflanzen für Ihr Büro!“ „Der neue Kia ist supergünstig und hoch im Wiederverkauf!“ „Büroartikel!“ „Sandwiches?“ „Haben Sie Arbeit? Ich bin ein guter Buchhalter!“

Am Ende des Tages steht wieder einer vom Kreditkarten-Team am Schreibtisch. Er lächelt beruhigend. „Guten Abend, Sir. Mein Name ist Praveen. Sie brauchen keine Kreditkarte, ich weiß. Aber das mit dem freien Wartebereich auf den Flughäfen hat Ihnen gefallen, stimmt’s?“ Während ich den Vertrag unterschreibe, frage ich den 22-Jährigen aus Bombay, was er denn so in zwei Jahren machen wolle. Praveen antwortet wie aus der Pistole geschossen: „In zwei Jahren, Sir, werde ich reich sein!“

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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