Wirtschaft : Von überall nach überall

Im Busfernverkehr wächst die Konkurrenz. MeinFernbus.de will von Berlin aus expandieren.

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Angriffslustig. Konkurrenz spornt an, sagt Torben Greve. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Angriffslustig. Konkurrenz spornt an, sagt Torben Greve. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Berlin - Der Busbetreiber MeinFernbus.de plant in den kommenden sechs Monaten zehn weitere Verbindungen ab Berlin. „Wir wollen Monat für Monat weitere Strecken eröffnen. Wie schnell, hängt von den Genehmigungsbehörden ab“, sagte Geschäftsführer Torben Greve dem Tagesspiegel. „Dem Berlintourismus wird der neue Busfernverkehr noch einmal einen neuen Schub geben, ähnlich wie vor ein paar Jahren die Billigflieger“, ist er überzeugt.

Die neuen Verbindungen würden zum einen in Richtung Rhein/Ruhr gehen, zum anderen in Richtung Süddeutschland. „Die Leute sollen von überall nach überall mit unseren Bussen fahren können.“ Ab Mitte Februar stehen zunächst regelmäßige Verbindungen nach Leipzig und Frankfurt am Main auf dem Programm. Dann wird MeinFernbus insgesamt acht Linien mehrmals am Tag bedienen. Man wolle Metropolen ansteuern, aber auch Städte, „die vom Bahnfernverkehr abgehängt worden sind“, befand er.

MeinFernbus, gegründet 2011, ist ein unabhängiges Start-up-Unternehmen aus Berlin. Es vermarktet und organisiert den Busverkehr, die Fahrten selber werden dann von mittelständischen Partnern ausgeführt. Die Geldgeber sind sieben Investoren, Greve hat ihnen versprochen, dass das Unternehmen ab 2014 profitabel arbeitet.

Seit Jahresbeginn ist der Busfernverkehr liberalisiert. Zuvor schützte ein Gesetz aus den 1930er Jahren die Eisenbahn vor Konkurrenz auf der Straße. Erlaubt waren Fahrten nur dort, wo die Bahn nicht verkehrte, außerdem Verbindungen von und nach Berlin. Busse gelten als noch umweltfreundlicher als die Bahn. Allerdings rührt ihr Preisvorteil auch daher, dass der Staat von ihnen keine Maut verlangt. Die Bahn dagegen muss Gebühren für die Nutzung von Trassen und Bahnhöfen zahlen.

Mittlerweile liege die Auslastung der ersten MeinFernbus-Strecke von Freiburg nach München bei 75 Prozent. Andere Verbindungen seien „noch nicht so etabliert“, berichtet Greve. Mit derzeit 42 Beschäftigten hat er große Pläne. „Wir wollen der beliebteste Fernbusanbieter werden. Und einer der Großen im Markt.“ Neben dem Branchenprimus Deutsche Bahn (mit Berlin Linienbus) sind Unternehmen wie die Deutsche Touring, Flixbus, Deinbus.de oder die britische Natrional Express in den Fernverkehr eingestiegen. Die Deutsche Post und der ADAC prüfen, 2014 ein deutschlandweites Netz aufzuziehen. Greve sieht das gelassen. „Wir haben keine Angst, schon weil wir anderthalb Jahre mehr Erfahrung haben. Konkurrenz spornt an.“ Auch die Bahn werde vermutlich größer einsteigen. Derzeit hält sich der Konzern zurück.

Einen extremen Preiskampf erwartet Greve gleichwohl nicht. „Unsere Einstiegspreise sind ja schon sehr günstig.“ Es gebe zudem viele Möglichkeit, sich im Angebot zu unterscheiden – über Abfahrtszeiten, Zwischenhalte, Kundenservice oder die Qualität der Busse. Der Markt werde noch wachsen. „Wenn Benzin noch teurer wird, werden noch mehr Leute den Bus nutzen.“ Der größte Teil der Passagiere komme nicht von der Bahn – einige wären ohne Fernbusse gar nicht gefahren, ein größerer Teil seien Selbst- oder Mitfahrer, hat MeinFernbus herausgefunden.

Die Pünktlichkeit der Busse misst das Unternehmen Greve zufolge nicht. „Meistens halten wir den Fahrplan ein.“ Beim Service setzt MeinFernbus auf W-Lan an Bord oder die Fahrradmitnahme – Leistungen, die bei der Bahn nicht oder nur schwer zu haben sind. Carsten Brönstrup

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