Wirtschaft : Von wegen al dente

Die Traumkonsistenz erreichen nicht alle Produkte. Aber alle Vollkornnudeln sind durchweg gut

Gábor Takács

Das kann einem schon mal gehörig den Appetit verderben: Wenn Spaghetti nach dem Kochen einen festen Kern und eine sehr weiche Oberfläche haben, klebrig und weich im Biss sind, dann stimmt etwas nicht mit dem Produkt. Das kommt allerdings immer wieder vor, wie der aktuelle Spaghetti-Test der Stiftung Warentest zeigt. 20 Hartweizenspaghetti-Sorten wurden geprüft, darunter fünf Vollkornnudeln-Sorten. Das Ergebnis der Tester: 14 Sorten beurteilte das Prüfinstitut mit einem „gut“, fünf Produkte landeten im Mittelfeld, eine Sorte fiel ganz durch: „Capannina“ von Plus waren den Testern nach dem Kochen zu weit entfernt von „al dente“ und viel zu klebrig. Die Ursache: Der Hersteller hat 15 Prozent Weichweizen benutzt. Ein solches Produkt darf aber überhaupt nicht als Hartweizenteigware bezeichnet werden.

Insgesamt bemängelten die Tester bei sieben Produkten sensorische Fehler, darunter auch beim teuersten, den Rustichella d’abruzzo für 3,10 Euro. Das Urteil: sehr weiche Oberfläche bei festem Kern und leicht teigigem Charakter. Punktabzüge gab es auch bei den Biospaghetti des Herstellers Fit for Fun. Denn trotz des Packungshinweises „ohne Ei hergestellt“ fanden die Tester Spuren eines hitzestabilen Hühnereiweißallergens; eine unangenehme Überraschung für Allergiker.

Doch es gab auch mehrere Lichtblicke. Besonders „gut“ sind De Niro No 5 von Kaiser’s Tengelmann. Mit 65 Cent je 100 Gramm sind sie auch relativ günstig. Eine noch preiswertere und fast genauso gute Alternative sind die Spaghetti von Tip, die 30 Cent pro 100 Gramm kosten.

Wie Ina Bockholt von der Stiftung Warentest erklärt, wird bei diesem Test sehr deutlich, dass die Produktpreise keineswegs die Qualität der Nudeln widerspiegeln. „Der Preis hängt auch von der Strategie der jeweiligen Firma ab, oder davon, ob sie teure Werbekampagnen führt“, sagt Bockholt.

Durchweg alle Vollkornnudeln kamen bei den Testern gut an. Ernährungsphysiologisch sind diese eindeutig besser als die „normalen“ Nudeln. Sie enthalten bei ähnlichem Energiegehalt (etwa 350 Kilokalorien je 100 Gramm) deutlich mehr Ballaststoffe, Kalium, Magnesium, Kalzium, Vitamine und andere wertvolle Nährstoffe. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren neue Rezepturen und Verfahren die Vollkornprodukte auch geschmacklich verbessert haben. So schmecken die besten Vollkornspaghetti im Test, die Barilla Wasa Integrali No 5 nur noch „wenig nach Vollkorngrieß“ und hinterlassen ein „kaum körniges Mundgefühl“. Aber Vorsicht: Vollkornnudeln dürfen nicht zu lange lagern, weil sie sonst das Fett aus dem zermahlenen Keimling des Hartweizens bitter und ranzig machen. Hartweizenteigwaren lassen sich durchaus mehr als drei Jahre aufbewahren – aber nur trocken und geruchsneutral.

Egal ob Vollkorn- oder herkömmliche Nudeln – im aktuellen Test wurden nur Hartweizenprodukte gekocht. Diese sind vor allem in der italienischen Küche vertreten, aber auch in Deutschland werden sie immer häufiger gegessen. Jeder zweite Bundesbürger bevorzugt aber nach wie vor Eiernudeln. Deren elastische Konsistenz lieben vor allem die Norddeutschen – und zwar möglichst mit glatter Oberfläche und viel Soße dazu.

In dieser Kategorie gibt es natürlich auch bessere und schlechtere Produkte. Die Wahl zwischen Hartweizen- beziehungsweise Eiernudeln ist deshalb keine Qualitäts- sondern vor allem eine Geschmackssache. Genauso wie die Vorliebe für bunte Nudeln, oder der Wahl zwischen Spaghetti, Maccheroni, Penne und anderen Nudelsorten. Die Untersuchungen der Stiftung Warentest waren zwar auf die berühmtesten, langen und schlanken Nudeln beschränkt. Nach Testerin Ina Bockholt sind die Ergebnisse aber mehr oder weniger auch auf andere Pastasorten der jeweiligen Marken übertragbar.

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