Wirtschaft : Von wegen Deutscher Aktienindex

Die Quote internationaler Anteilseigner steigt auf 55 Prozent – bei der Deutschen Börse sind es sogar 81 Prozent.

von
Handelsplatz Frankfurt. Der hohe Anteil ausländischer Investoren spricht für die Attraktivität deutscher Konzerne. Foto: dpa
Handelsplatz Frankfurt. Der hohe Anteil ausländischer Investoren spricht für die Attraktivität deutscher Konzerne. Foto: dpaFoto: dpa

Frankfurt am Main - Die Aktien der 30 größten deutschen Konzerne ziehen immer mehr ausländische Groß- und Privatanleger an. Im Schnitt hielten sie 2012 mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Aktien dieser Unternehmen, bei 18 der 30 Papiere liegt mehr als 50 Prozent in ausländischer Hand. Bei Deutscher Börse, Merck und Adidas sind es sogar mehr als drei Viertel, wie eine am Freitag vorgelegte Analyse von Ernst & Young zeigt. Deutsche Anleger kommen nur auf eine Quote von im Schnitt 37 Prozent.

Sorgen allerdings machen sich Finanzexperten deshalb nicht, zumal bei der überwiegenden Mehrzahl der Unternehmen die Aktien breit gestreut sind und es damit auch keinen ausländischen Großaktionär gibt. Das zunehmende Engagement der Ausländer wird im Gegenteil begrüßt. Es spreche für die Qualität deutscher Aktien, dass sie jenseits der Grenze so geschätzt würden. Einziger Nachteil: Die zuletzt ansehnlichen Kursgewinne und Dividenden landen meist im Ausland. Nachdem der Dax zuletzt seinen bisherigen Rekordstand von 2007 überboten hatte, stiegen die Kurse am Freitag weiter. Am Abend stand das Börsenbarometer bei 8278 Punkten.

„Der hohe Anteil ausländischer Investoren ist ein Zeichen für die Attraktivität des deutschen Aktienmarktes und ein Qualitätsmerkmal deutscher Konzerne“, sagte Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts, dem Tagesspiegel. „In Zeiten globaler Kapitalmärkte ist das eine normale Entwicklung, die im Übrigen nicht neu ist.“ Auch Ernst & Young-Experte Martin Steinbach beurteilt die Entwicklung positiv. „Dies belegt, dass die deutschen Konzerne auf dem Weltmarkt sichtbar sind und geschätzt werden.“

Seit 2005 ist der Anteil der ausländischen Aktionäre bei den 24 Konzernen, bei denen ein Vergleich möglich ist, von 44 auf 58 Prozent gestiegen, der der deutschen von 49 auf 35 Prozent gefallen. Den höchsten Ausländeranteil hat die Deutsche Börse mit 81 Prozent. Merck kommt auf 77, Adidas auf 75, die Allianz auf 68 und Daimler auf 67 Prozent. Am Ende der Skala stehen Continental und Lufthansa (je 34), BMW (31) und Henkel (24).

Gut ein Viertel der ausländischen Anteilseigener kommt aus Europa, knapp 20 Prozent aus Nordamerika. Wie stark etwa chinesische Anleger engagiert sind, geht aus der Studie nicht hervor. Aufgrund der Tatsache, dass bei den 30 Konzernen im Schnitt mehr als 80 Prozent der Aktien im Streubesitz sind und damit ein Einzelaktionär maximal zehn Prozent der Aktien hält, hält sich die Sorge in Grenzen, dass die Ausländer deutsche Konzerne dominieren könnten. Aufgrund des hohen Streubesitzes seien sie von Entscheidungen einzelner Großanleger unabhängig, sagt Steinbach. Aus dem hohen Anteil ausländischer Aktionäre ergebe sich kein Nachteil, betont auch DAI-Chefin Bortenlänger. „Aber die ausländischen Investoren müssen sich natürlich an die hierzulande geltenden Regeln halten. Dazu gehört auch ein Verständnis für das duale System der Arbeitsteilung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat.“ Diskussionen darüber hatten zuletzt bei der Berufung von Wolfgang Mayrhuber an die Spitze des Lufthansa-Aufsichtsrats für ein Hin und Her gesorgt.

Und trotzdem hat der hohe Anteil ausländischer Aktienbesitzer an den Konzernen einen Nachteil. „Die Kursgewinne und die Dividenden landen zum großen Teil im Ausland. Das ist das Einzige, was an dieser Entwicklung schade ist“, sagt Carsten Sommerfeld, Börsenhändler bei Tradegate. Während sich große deutsche Anleger wie Versicherungen oder Pensionskassen bei deutschen Aktien zurückhalten, haben ausländische Anleger zugegriffen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben