Wirtschaft : Von Wettbewerbsfähigkeit noch weit entfernt (Kommentar)

Margarita Chiari

Bei seinem Amtsantritt vor wenigen Monaten hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn die Sanierung der Deutschen Bahn als "die derzeit interessanteste Aufgabe für einen Manager in Deutschland" bezeichnet. Ob er dies heute noch immer so sieht, bleibt dahingestellt. Die Misere des Schienenunternehmens wird immer offensichtlicher, die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Erstmals seit der Entschuldung vor sechs Jahren fährt das Unternehmen wieder Verluste ein. Geld für die dringend nötige Sanierung des Netzes fehlt an allen Ecken, während die Kosten bei Großprojekten explodieren. Und schließlich droht dem Unternehmen schon in wenigen Wochen ein Streik, der ausgerechnet zum Auftakt der Expo den gesamten Schienenverkehr lahm legen könnte. Mehdorn steht ein Kraftakt ohnegleichen bevor. Doch er hat kaum eine Wahl.

Die Bahn ist von der Wettbewerbsfähigkeit noch weit entfernt. Die Kosten müssen heruntergefahren werden, wenn der Schienenbetrieb nicht auf Dauer ein Sanierungsfall bleiben soll. Mehdorn hat bereits richtig angesetzt, als er sich vom unkalkulierbaren Transrapid verabschiedete. Auch die Fehlkalkulationen bei den Großprojekten haben bereits zu Veränderungen im Management geführt. Letztlich werden auch die Mitarbeiter auf übertarifliche Zulagen verzichten und differenzierte Tarifverträge akzeptieren müssen - vor allem dort, wo die Wettbewerber deutlich niedrigere Löhne zahlen. Das leugnet auch die Gewerkschaft nicht.

Doch der Sparkurs bei der Bahn hat Grenzen. Klein, fein und effizient - das ist ein Rezept, die Bahn aus den roten Zahlen zu bringen. Ob es politisch erwünscht ist, ist eine andere Frage. Hier ist nicht Mehdorn gefordert, sondern die Politik. Sie muss sich überlegen, welchen Preis sie für die Sanierung zahlen will.

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