Wirtschaft : Vor allem junge Menschen und Erben suchen das Risiko an der Börse

Deutschlands Reiche setzen zur Vermehrung ihres Vermögens zunehmend auf Aktien. Vor allem Erben und gut verdienende junge Menschen suchen nach Einschätzung von Experten oft das Risiko. Dies geht aus einer Untersuchung von Anlagedaten vermögender Kunden der Commerzbank hervor. Das Geldinstitut nahm seine Klientel mit einem "frei verfügbaren Betrag" von mindestens 250 000 Mark und einem ebenso hohen Einkommen unter die Lupe. 63 Prozent dieser Commerzbank-Kunden investierten Geld in Aktien, fünf Prozent mehr als Mitte der 90-er Jahre, berichtete das Geldhaus am Dienstag in Frankfurt (Main).

Insgesamt hat sich die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland seit 1995 mehr als verdoppelt. Ihr Anteil mit 13 Prozent an der Gesamtbevölkerung (älter als 14 Jahre) ist aber noch gering. Auch bei reichen Kunden der Commerzbank haben Aktien bislang im Schnitt einen Anteil von nur rund sieben Prozent am investierten Vermögen. Deutlich beliebteste Geldanlage der Oberschicht mit einem Anteil von gut 70 Prozent ist nach wie vor die Immobilie - mit ebenso steigender Tendenz.

Der Trend zur Aktienanlage der Vermögenden in Deutschland wächst, berichtete Geschäftsführer Wolfgang Reittinger von der Commerz-Finanz-Management GmbH am Dienstag. Mit dem Börsenboom der vergangenen Jahre und oft kräftigen Kursgewinnen sei bei privaten Anlegern auch die Bereitschaft gewachsen, riskantere Engagements einzugehen. Viele schätzten sich als "wachstumsorientiert" ein. Der Anteil so genannter konservativer Geldanleger mit Hang zu sicheren Investments - wie fest verzinslichen Papieren - sei rückläufig, so die Commerzbank in ihrer Studie.

Allerdings fehle vielen "meist schlicht und einfach der nötige Durchblick". Das Wissen der Anleger um Unternehmen, Börse und Aktien halte mit der Risikobereitschaft der Anleger in der Regel nicht mit. Ohne professionelle Finanzplanung könne daher "der Spaß nach den ersten Gewinnen" schnell nachlassen, sagte Reittinger. Als besonders clever hat die Commerzbank allerdings Ärzte und Apotheker ausgemacht. Sie nutzten häufig ihre Zeit an den Wochendenden, um Gewinn bringende Anlageobjekte zu analysieren. Kaufleute und Unternehmer könnten dagegen in punkto Anlagestrategie mit den "besseren Diagnosen" der Heilberufler meist nicht mithalten.

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