Wirtschaft : Vor dem Abschwung

2008 und 2009 schwächt sich das Wachstum ab. Trotzdem sei die Konjunktur robust, urteilt das DIW

Yasmin El-Sharif

Berlin - Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland hat seinen Höhepunkt bereits hinter sich – in den kommenden zwei Jahren wird sich das Wachstum nach und nach abschwächen. Das geht aus der Herbstprognose 2007 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Für das laufende Jahr korrigieren die Forscher ihre Prognose nach unten: von 2,6 Prozent auf nun 2,4 Prozent. Im kommenden Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dann nur noch um 2,1 Prozent zulegen, 2009 sollen es 1,7 Prozent sein.

Das DIW prescht damit vor und wagt als erstes Institut eine Konjunkturprognose für das Jahr 2009. Das ist pikant, denn zwei Tage nach dem DIW – also am morgigen Donnerstag – wird auch das Herbstgutachten der Bundesregierung vorgestellt. Das Gutachten wird von den führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten erstellt, zu denen bis Mitte des Jahres auch das DIW zählte. Bei einem öffentlichen Wettbewerb der Institute schied das DIW jedoch aus. Mit der Prognose vom Dienstag legte das Berliner Institut nun erstmals sein eigenes Herbstgutachten vor. „Wir haben immer zu dieser Zeit unsere Herbstprognose gemacht, und wir machen sie weiter“, sagte DIW- Präsident Klaus Zimmermann.

Auch im offiziellen Herbstgutachten dürften die Prognosen gesenkt werden. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten die Experten einen Anstieg des BIP von jeweils 2,4 Prozent für 2007 und 2008 prognostiziert. Vor allem die Krise an den Finanzmärkten, der starke Euro und der hohe Ölpreis zwingen die Forscher nun vermutlich ebenfalls zu einer Korrektur.

Von Vorläufern einer Rezession wollte das DIW am Dienstag dennoch nicht sprechen. „Das Wirtschaftswachstum bleibt auch in den kommenden zwei Jahren robust“, sagte Zimmermann. Selbst die Finanzkrise wirke sich nur „in Nuancen“ auf Deutschland aus. Während in diesem Jahr die Unternehmensinvestitionen stark zulegten, entwickle sich ab 2008 vor allem der private Konsum zum Wachstumsmotor. Das wirke sich auch positiv auf den Arbeitsmarkt aus: Das DIW erwartet einen Rückgang der Erwerbslosen von derzeit rund 3,5 auf 3,3 Millionen im Jahr 2009.

Der DIW-Präsident warnte jedoch vor einer Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I für Ältere, wie sie derzeit in der Koalition diskutiert wird. „Eine Verlängerung könnte zu wieder vermehrter Frühverrentung verleiten“, sagte Zimmermann. Er riet der Wirtschaftspolitik zu einer „ruhigen Hand“ – und meinte damit, dass jetzige Überschüsse nicht übereilt für die Senkung von Steuern verwendet werden sollten.

Das DIW rief die Regierung stattdessen dazu auf, stärker in den Bildungsstandort zu investieren. Zudem müsse der Arbeitsmarkt für qualifizierte Kräfte aus dem Ausland „zügig geöffnet“ werden, mahnte Zimmermann. „Der zunehmende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften wird mehr und mehr zum entscheidenden Hemmschuh für das weitere Wachstum.“

Positive Daten lieferte gestern das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Das Stimmungsbarometer des Instituts verharrte im Oktober überraschend bei minus 18,1 Punkten – obwohl ein schlechterer Wert erwartet worden war. Die Erwartungen der rund 280 Analysten und Anleger zeigten „erste Stabilisierungstendenzen“.

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