Wirtschaft : Vor dem Absprung: Die Telekom und die D-Box

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Die Deutsche Telekom AG, Bonn, wird sich aller Voraussicht nach nicht an der Dekoder-Firma Beta Research beteiligen. Beta Research baut für die Münchener Kirch-Gruppe die D-Box-Dekoder. Ursprünglich wollte die Telekom eine Milliarde Mark für die Beteiligung zahlen. Wie das Bundeskartellamt dem Handelsblatt bestätigte, haben die Wettbewerbshüter große Bedenken gegen das Zusammengehen der Telekom als größtem Netzbetreiber und Kirch als dem einzigen Pay-TV-Anbieter, ausgerechnet bei der Dekoder-Technik. Die Prüffrist läuft bis zum 26. Februar. "Im Grunde sind die Bedenken die selben wie beim Verbot der Media Service GmbH durch die EU-Kommission 1994", sagte ein Kartellamtssprecher. Damals wollten Kirch, Telekom und Bertelsmann eine Bezahlfernseh-Allianz bilden. Diese wurde wegen der Dominanz des Dreierbundes untersagt.

Nach Handelsblatt-Informationen verlangt das Kartellamt von der Telekom, in fest zu vereinbarenden Zeiträumen ihr Kabelgeschäft zu verkaufen. Bisher hat die Telekom die Mehrheit an den Kabel-Regionalgesellschaften Nordrhein-Westfalen an die US-Gruppe Callahan und Hessen an den Investor Klesch verkauft - der Verkauf an Callahan wurde am Mittwoch vom Kartellamt genehmigt. Um die übrigen sieben Regionen wird noch verhandelt. Angesichts des jüngsten Preisverfalls für Kabel-Unternehmen will sich die Telekom auf zeitliche Zusagen nicht einlassen. "Wir werden keiner Forderung des Kartellamts zustimmen, die Einfluss auf den Wert unserer Kabelaktivitäten hat. Es geht hier um Milliarden", sagte der zuständige Telekom-Vorstand Gerd Tenzer.

Tenzer wies den Vorwurf zurück, dass ein Zusammengehen der Telekom mit Kirch bei Beta-Research den Wettbewerb behindere. "Die D-Box ist heute die einzige Pay-TV-Technik auf dem deutschen Markt. Uns kommt es darauf an, diese Technik an europäische Standards heranzuführen und zu einer offenen Plattform zu machen", sagte er. Als Hersteller für Dekoder solle künftig jeder, der will, tätig werden.

Wie in Telekom-Kreisen zu hören ist, wäre der Konzern nicht allzu unglücklich über das Scheitern der Pläne. Aus heutiger Sicht finden manche Manager die vor einem Jahr verabredete Milliarde als Kaufpreis für die halbe Beta Research viel zu teuer.

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