Wirtschaft : Vor dem Erfolg steht das Risiko

Bei Banken-Übernahmen werden Fehler sehr teuer

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Frankfurt am Main/London Die Bilanz grenzüberschreitender Fusionen in Europa fällt durchwachsen aus. Allzu viele Beispiele der Größenordnung Unicredito/HVB gibt es ohnehin nicht. Die meisten Milliarden-Deals spielten sich innerhalb der Landesgrenzen ab. Grund: Große Einsparungen aus der Zusammenlegung von Filialen oder Konzernzentralen lassen sich vor allem bei nationalen Fusionen erzielen. Bei internationalen Übernahmen steht, wie bei Unicredito/HVB, meist die Erschließung neuer Märkte im Vordergrund.

Dass dies teuer werden kann, erlebte die britische HSBC beim Kauf der französischen Konsumentenkreditbank Crédit Commerciale de France (CCF) im Jahr 2000. Auf dem Höhepunkt des Börsenbooms zahlten die Briten 10,86 Milliarden Euro. Nach dem Absturz am Aktienmarkt stellte sich das als „voller Preis“ heraus, wie es Analyst Michael Helsby von Fox-Pitt, Kelton umschreibt. Auch heute, im Jahr vier nach dem Kauf, kann er noch nicht abschließend sagen, ob die Akquisition als Erfolg zu bezeichnen ist.

Als Erfolgsbeispiele für grenzüberschreitend tätige Finanzinstitute in Europa gelten heute vor allem Institute aus dem Benelux-Raum und aus Skandinavien. Aus internationalen Fusionen entstanden beispielsweise der belgisch-holländische Allfinanzriese Fortis und der skandinavische Bankkonzern Nordea. Sie profitieren nicht zuletzt von der kulturellen Nähe der einzelnen Länder.

In der Vergangenheit hatten ausländische Banken bei Übernahmen in Deutschland nicht immer ein glückliches Händchen. ING etwa erlebte Licht und Schatten. Der Kauf der florierenden Direktbank Diba erwies sich als Glücksgriff. Dagegen wurde der zweite Deutschland-Ableger, die BHF-Bank, an Sal. Oppenheim verkauft. Auch die schwedische SEB ist mit ihrer Deutschland-Tochter, der früheren Bank für Gemeinwirtschaft (BfG), noch nicht allzu glücklich. Die Tochter hinkt bei der Rendite weit hinter dem Gesamtkonzern zurück.

Erfolgreich operieren hier zu Lande die Citibank und die zu Santander gehörende CC-Bank. Beide sind allerdings keine Universalbanken wie die deutsche SEB oder die HVB, sondern konzentrieren sich auf die Konsumfinanzierung. pot/fs (HB)

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