• Vor dem G8 Gipfel: Putins erster Weltwirtschaftsgipfel - Russland setzt hohe Erwartungen in das Treffen der Achtergruppe

Wirtschaft : Vor dem G8 Gipfel: Putins erster Weltwirtschaftsgipfel - Russland setzt hohe Erwartungen in das Treffen der Achtergruppe

mbr

Wladimir Putins erster G-8-Gipfel soll gleich für Russland den Durchbruch bringen: Der neue russische Präsident muss eine der bösen Erbschaften des Amtes als Ballast abwerfen können - sein Land von dem Problem befreien, von internationalen Finanzorganisationen wie dem Internationalen Währungsfond (IWF) oder der Weltbank derzeit keine neuen Kredite zu bekommen. Dabei gehe es laut Putins Wirtschaftsberater und Gipfel-Sherpa Andrej Illarionow nicht in erster Linie um frische Gelder. Russland habe wegen der extrem positiven Außenhandelsüberschüsse im Prinzip genügend Deviseneinnahmen. Wichtig sei jedoch, dass der IWF Russlands Wirtschaftskurs gutheiße und mit neuen Krediten internationalen Investoren das Zeichen gebe, dass es in Moskau aufwärts gehe und sie sich im Schlepptau des Fonds in Russland finanziell engagierten.

Das Problem der Schuldenstreichung im Rahmen der Altschulden bei den im Pariser Club zusammengefassten Gläubigerstaaten - wobei Deutschland dort der größte Einzelgläubiger ist -, sei "kein Gipfelthema, sondern Gesprächspunkt bei Putins bilateralen Treffen" mit Bill Clinton. Gerhard Schröder, Japans Mori oder Kanadas Premier Retien, sagte Putins außenpolitischer Berater Sergej Prichodko dem Tagesspiegel. "Auch Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO könnte thematisiert werden. Dabei verlangen wir, dass wir zu den Standardbedingungen aufgenommen werden und es keine Sonderforderungen an uns gibt." Offiziell beraten würde jedoch ein Schuldenerlass gegenüber Entwicklungsländern, wie ihn UNO-Generalsekretär Kofi Annan von der G 8 gefordert habe.

Putin sei bereit, zu allen Gipfelfragen aktiv Stellung zu nehmen und es gebe "großes Interesse des Westens am neuen russischen Wirtschaftskurs", betonte Prichodko. Besonders wichtig sei für Russland auf diesem G-8-Gipfel jedoch die Frage des Erhalts der internationalen Sicherheit, der Nichtauflösung des ABM-Vertrages von 1972, der den Aufbau von Raketenabwehrsystemen untersagt, sowie der gemeinsamen Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Mit Japan soll sogar die sensationelle Frage eines Friedensvertrages und damit die Lösung der umstrittenen Kurilen Frage angesprochen werden. Wirtschaftlich könne Russland erst vollwertiges Mitglied der G 8 werden, wenn es den Anschluss an den Westen finde. Warum sonst solle ein Land, das 100mal schwächer ist als die anderen sei, ein Schuldner gemeinsam mit seinen Gläubigern am Tisch sitzen, fragt sich der russische Ökonom Michail Deljagin. Dafür müsse es ein gewaltiges Projekt geben, schlägt der Direktor des Moskauer Instituts für Globalisierung, den Aufbau eines Transportkorridors von Westeuropa durch Russland in den Fernen Osten vor, der die langwierigen und teuren Schiffspassagen dorthin ablösen könnte und eines der großen Wirtschaftsthemen Russlands und des Westens in der Zukunft sein könne.

Russland war 1990 mit 4,3 Prozent am Welt-Bruttoinlandsprodukt vertreten, die gesamte UdSSR mit sechs Prozent weltwirtschaftlich die Nummer vier. Heute trägt Russland gerade einmal 0,65 Prozent zum Welt-BIP bei und die G-8-Aufnahme war vor allem ein politisches Geschenk an Moskau. In der Realität tagt die Gruppe nach wie vor als Siebenergruppe. Russland wird bei den Treffen auf Ebene der Staats- und Regierungschef bei politischen Fragen mit eingebunden, bisher aber nicht ernsthaft bei der Lösung der weltwirtschaftlichen Probleme einbezogen.

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